16. Kodierfachkräftekongress in Berlin

Am 26. November fand in Berlin der mittlerweile 16. Kodierfachkräftekongress der KU Gesundheitsmanagement statt. Im Hotel Maritim proArte fanden sich fast 100 Teilnehmer ein, die sich zu den aktuellen Entwicklungen und gesetzlichen Neuerungen rund um das Thema Kodierung fortbilden wollten.

Die Veranstaltung begann mit Thomas Wernitz, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Medizinrecht, der zu zwei höchst aktuellen Themen referierte. Auf der Agenda standen „MDK-Reformgesetz und dessen mögliche Auswirkungen“ sowie der Komplex „PsSG vs. BSG-Rechtsprechung“. Neben der Erläuterung von diversen Details in der Auslegung des MDK-Reformgesetzes betonte Herr Wernitz, dass zur Berechnung der Prüfquoten nur komplett „unbeanstandete Rechnungen“ herangezogen werden. Beanstandete Rechnungen – selbst, wenn nachfolgend ein Gericht entschieden hat, dass die Abrechnung korrekt war – werden zur Berechnung der Prüfquoten nicht herangezogen. Eine Information, die für Diskussion im Auditorium sorgte. Dr. Erwin Horndasch, der durch die Veranstaltung führte, nahm dies als Anlass für einen kurzen Exkurs, indem er die Frage stellte, wie in den jeweiligen Häusern ab 2020 mit den Strafzahlungen umgegangen und wer dafür verantwortlich gemacht werden wird. Er legte den Kongressteilnehmern nahe, sich zeitnah mit ihren Vorgesetzten und der Geschäftsführung zusammenzusetzen und eine Strategie zu entwickeln. Die nachfolgende Kaffeepause war eine willkommene Gelegenheit, um das Gehörte untereinander wie auch mit dem Referenten zu diskutieren.

Im Anschluss referierte Dr. Nikolaus von Dercks, Leiter Medizincontrolling und Geschäftsführer der Medizinischen Versorgungszentren Universitätsklinikum Leipzig, über aktuelle Entwicklungen und Neuerungen bei der Kodierung in Orthopädie und Unfallchirurgie. Einen Schwerpunkt bildete hierbei die Kodierung in der Wirbelsäulenchirurgie. Er sprach auch darüber, wie das Medizincontrolling personell und organisatorisch optimal aufgestellt werden kann.

Danach widmete sich Dr. Ernst Spitzenpfeil, DRG-Berater und -Coach, dem Thema „Rechtssichere Dokumentation“. Durch seine langjährige Tätigkeit sowohl als Mediziner im Klinikalltag als auch beim MDK sowie seine umfassende Erfahrung als Gerichtssachverständiger mit über 700 Gutachten, konnte er mit Detailwissen und Praxisnähe überzeugen. Er begann mit der Überlegung, dass medizinische Dokumentation nicht in erster Linie für den MDK, sondern v.a. für den nachbehandelnden Arzt, zur externen Qualitätssicherung, zur Abwehr von Behandlungsfehlervorwürfen und für die Abrechnung erfolgen muss. Er wies daraufhin, dass dabei unbedingt die Grenzen der Kompetenzen der Kodierfachkräfte zu beachten sind und deshalb die Kodierung aus den Funktionsabteilungen überaus wichtig ist. Er betonte, dass die Pflegedokumentation vollständig erfolgen muss und v.a. auch die Defizite des Patienten dokumentiert werden müssen. Eine Gefahrenquelle für beanstandete Rechnung sind hierbei v.a. Diskrepanzen zwischen pflegerischer und ärztlicher Dokumentation.

In der nachfolgenden Mittagspause konnten sich die Teilnehmer im Restaurant des Hotels an einem reichhaltigen Buffet stärken, Kontakte knüpfen und auch inhaltliche Aspekte vertieft diskutieren, bevor es mit den beiden Vorträgen des Nachmittags weiterging.

Dr. Erwin Horndasch, Leiter Medizincontrolling des Stadtkrankenhauses Schwabach, moderierte den Kongress nicht nur, er hielt auch einen eigenen Vortrag, das „Kodierupdate 2020“. Dabei erläuterte er Details und Änderungen bei der Kodierung von u.a. SIRS, Sepsis und Themen der Palliativmedizin.

Den Abschluss des Kongresstages bildete Dr. Matthäus Bauer, Leiter des Referats Medizincontrolling
Klinikum der Universität München, mit seinem Vortrag „Palliativmedizin – Wie ist zu kodieren  und zu dokumentieren?“. Dabei ging er auch auf Besonderheiten wie beispielsweise die Kodierung von externen Experten ein.

Die Veranstaltung wurde von den Fachausstellern TIPLU und Cerner unterstützt, die auch jeweils mit einem Stand und Ansprechpartnern vor Ort waren.

 

Birgit Sander, KU Redaktion

Programm

Referenten

Dr. med. Matthäus Bauer

Leiter des Referats Medizincontrolling
Klinikum der Universität München

Dr. Matthäus Bauer ist der Leiter des Referats Medizincontrolling am Klinikum der Universität München. Sein ca. 40-köpfiges Kodierfachkräfte-Team kodiert pro Jahr ca. 75.000 stationäre Fälle. Die Palliativmedizin des Klinikums betreibt 10 Betten für Erwachsene und 8 Betten für Kinder.

 

„Palliativmedizin - Wie ist zu kodieren und zu dokumentieren?":

Der Aufwand bei der Kodierung in der Palliativmedizin wird davon abhängen, ob die Fachabteilung eine besondere Einrichtung (wenig Aufwand) oder ein Teilbereich des DRG-Systems (viel Aufwand) ist. Der Vortrag beschäftigt sich mit den OPS Codes in der Palliativmedizin, den Folgen eines Wechsels zu einer besonderen Einrichtung (wie simuliere ich den Wechsel ?) und der Frage, was OPS 8-98h eigentlich ausmacht und was „Zeitaufwand am Patienten“ bedeutet.

Dr. med. Nikolaus von Dercks

Leiter Medizincontrolling und Geschäftsführer der Medizinischen Versorgungszentren
Universitätsklinikum Leipzig

Facharzt für Chirurgie mit Zusatzbezeichnungen für Spezielle Unfallchirurgie, Sportmedizin und Notfallmedizin, seit 2016 Leiter des Medizincontrollings am Universitätsklinikum Leipzig. Außerdem seit 2018 Geschäftsführer der Medizinischen Versorgungszentren des UKL. Vertreten in zahlreichen Fachgremien, u.a. der Deutschen Krankenhausgesellschaft, des VUD, etc.

 

„Kodierung in der Orthopädie und Unfallchirurgie":

Die richtige und vollständige Kodierung in Orthopädie und Unfallchirurgie sichert Erlöse und wirtschaftliche Stabilität eines Krankenhauses. Zahlreiche technische Neuerungen der beiden Fächer, aber auch Klarstellungen in der Formulierung von OPS-Codes sind bei der täglichen Kodierung der eigenen Fälle zu beachten.
Neben alten Fallstricken und neuen Anforderungen sollen in dem Beitrag auch die Themen Fallsteuerung und MDK-Berichtswesen vorgestellt werden. Vor dem Hintergrund der stetig zunehmenden Quote an Fehlbelegungsprüfungen, die bestimmte Bereiche von O&U ganz besonders treffen, ist Kenntnis über die Analyse und mögliche Auswege unabdingbar.  

Dr. med Erwin Horndasch

Leiter Medizincontrolling
Stadtkrankenhaus Schwabach

Seit Beginn des DRG-Zeitalters ist Dr. Horndasch als Medizincontroller und DRG-Berater tätig. Er ist Sprecher der Gutachtergruppe der Deutschen Gesellschaft für Medizincontrolling und Mitglied beim Fachausschuss für ordnungsgemäße Kodierung und Abrechnung. Zudem ist er als Sachverständiger bei Abrechnungsstreitigkeiten vor Sozial- und Zivilgerichten tätig. Er kann deshalb als Spezialist für die Kodierung und Abrechnung von Krankenhausleistungen bezeichnet werden.

„Kodierupdate 2020":

In bewährter Weise werden in aller Kürze die wichtigen Neurungen im Bereich der Kodierung von ICD und OPS für 2020 vorgestellt. Daneben werden die Änderungen bei den Deutschen Kodierrichtlinien erläutert. Damit sind Sie als Teilnehmer / Teilnehmerin für das Jahr 2020 bestens gewappnet.

Dr. med. Ernst Spitzenpfeil

DRG-Berater und -Coach

Seit Oktober 2010 Jahren ist Dr. Spitzenpfeil freiberuflich als DRG-Berater und -Coach tätig und unterstützt Krankenhäuser und Versicherer bei der Weiterbildung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Aufgrund seiner langjährigen beruflichen Tätigkeit, sowohl als Mediziner im Klinikalltag als auch beim MDK, hat er sich umfassendes Wissen über das DRG-System angeeignet.

 

Rechtssichere Dokumentation":

Aus seiner langjährigen Erfahrung als Gerichtssachverständiger mit über 700 Gutachten gibt der Referent Hinweise darauf, wie eine rechtssichere Dokumentation aussehen und was tunlichst vermieden werden sollte.

Thomas Wernitz

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Medizinrecht
Bregenhorn-Wendland und Partner

Seit 1990 Rechtsanwalt, seit 2008 Fachanwalt für Medizinrecht, seit 1999 im Bereich des Krankenhausrechts tätig (1999 – 2006 Justitiar der Krankenhausgesellschaft Sachsen-Anhalt), Leiter des Standortes Magdeburg der Kanzlei.

 

MDK-Reformgesetz - Mögliche Auswirkungen" und PpSG vs. BSG-Rechtsprechung":

Abrechnungsstreitigkeiten zwischen Krankenhäusern und Krankenkassen haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen und treiben so manches Krankenhaus in eine bedrohliche wirtschaftliche Lage. Bei der Führung entsprechender Klagen vor den Sozialgerichten sind fundierte juristische Kenntnisse zwingende Voraussetzung, um sich erfolgreich wehren zu können. Der Gesetzgeber hat mit diversen Gesetzesinitiativen versucht,  der doch teilweise sehr krankenhauslastigen Rechtsprechung des Bundessozialgerichts entgegenzutreten. Inwieweit das mit dem Pflegepersonalstärkungsgesetz und dem geplanten MDK-Reformgesetz gelingen kann, wird im Vortrag dargestellt.

Informationen

Datum:  26. November 2019, 9.00-16.00 Uhr
Ort:   maritim proArte Hotel Berlin, Friedrichstraße 151, 10117 Berlin
Gebühr:   349,- Euro zzgl. MwSt.
 

  299,- Euro zzgl. MwSt. für jede weitere Person des gleichen Hauses

    Alle DGfM Mitglieder erhalten 10% Rabatt

 

Alle Teilnehmer erhalten die Deutschen Kodierrichtlinien 2020 mit MDK-Kommentar.

Seminarunterlagen, Mittagsbuffet, Pausensnacks und Getränke inklusive!

Die Anmeldung ist verbindlich, aber jederzeit übertragbar. Bei Nichterscheinen oder Stornierung ab dem 26.09.2019 wird die volle Teilnahmegebühr in Rechnung gestellt.


Mit freundlicher Unterstützung von

Fachaussteller: