Kurz erklärt

D wie Disease Management Programm

Die steigende Zahl an chronisch Erkrankten lässt den Versorgungsbedarf nicht nur in Deutschland ansteigen.

Quelle: KU Gesundheitsmanagement


Im Rahmen eines Sachverständigengutachtens zur Über-, Unter- und Fehlversorgung im deutschen Gesundheitswesen wurde die Grundlage für die Entwicklung von sog. Disease Management Programmen (DMP) geschaffen.

DMPs sind nach § 137f SGB V strukturierte Behandlungsprogramme mit dem Ziel, die Versorgungs- und Behandlungsqualität für Patienten mit chronischen Erkrankungen zu verbessern. Die Ausgestaltung erfolgt auf Grundlage der evidenzbasierten Medizin und soll den eigenverantwortlichen Umgang der Teilnehmer mit der Erkrankung sowie deren Adhärenz fördern. Außerdem sollen Folgeschäden vermieden und langfristig Kosten für die Behandlung gesenkt werden. In Deutschland werden aktuell sechs DMPs für die Behandlung von Diabetes Mellitus Typ-1 und Typ-2, COPD, koronarer Herzerkrankung, Brustkrebs und Asthma von den gesetzlichen Krankenkassen angeboten. Die Teilnahme an den Programmen ist grundsätzlich freiwillig und häufig mit Bonusprogrammen (z.B. anteilige Rückzahlungen der bereits geleisteten gesetzlichen Zuzahlung) verbunden.

Entscheidet sich ein Patient an einem DMP teilzunehmen, muss er zunächst einen teilnehmenden Arzt auswählen, der als zentraler Ansprechpartner gilt. Im ersten Schritt muss die Teilnahmebestätigung ausgefüllt werden und es erfolgt eine Erstdokumentation. Diese Daten werden an eine Datenstelle übermittelt, welche die Datenschutzkonformität der Dokumente überprüft und pseudonymisiert. Anschließend werden die Daten an die Krankenkasse und an weitere behandelnde Einrichtungen versendet. Die Krankenkasse übermittelt nun eine Teilnahmebestätigung an den behandelnden Arzt. Eine sog. „Reminderfunktion“ der Datenstelle sorgt dafür, dass die teilnehmenden Ärzte regelmäßig die Behandlungsschritte dokumentieren und einreichen. Der Praxis-Feedback-Bericht dient dazu, die teilnehmenden Ärzte über Untersuchungen und Maßnahmen, die außerhalb der Arztpraxis vorgenommen wurden, zu informieren.

Der Erfolg von DMP basiert auf dem Zusammenspiel mehrerer Faktoren, u.a. das regelmäßige Monitoring des Krankheitsverlaufs und die Dokumentation krankheitsspezifischer Qualitätsparameter, für die medizinische Zielvorgaben definiert werden. Diese sind u. a. ein wichtiger Orientierungswert für das Selbstmanagement des Patienten. Die Erfahrung zeigt außerdem, dass einfache und klare Strukturen
sowie eine möglichst große Transparenz in Bezug auf den Informationsfluss zwischen allen Beteiligten positive Auswirkungen auf den Erfolg eines DMP haben. Dabei liegt der Fokus klar auf den Bedürfnissen der Patienten, vor allem darauf, durch selbstständig realisierbare Maßnahmen den Behandlungserfolg zu erhöhen.

Die Anzahl der Versicherten, die in ein DMP eingeschrieben sind (ca. 6,8Millionen), wächst stetig weiter, sodass der Gemeinsame Bundesausschuss aufgefordert ist, bestehende DMP auszuweiten und neue zu entwickeln. Im April dieses Jahres wurde bereits ein weiteres DMP für chronische Rückenschmerzen beschlossen. Außerdem müssen noch Anforderungen für die Erkrankungen Depression, Osteoporose und rheumatoide Arthritis entwickelt und geprüft werden. Auch gibt es Bemühungen, DMP als telemedizinische Maßnahme anzubieten, um dadurch insbesondere die ländliche Versorgung sowie die Behandlungsqualität zu optimieren. Dazu können sich Ärzte zukünftig vom Deutschen Zentrum für Telemedizin und Gesundheitsförderung zertifizieren lassen. Das Programm Telemedizinische Lebensstil-Interventions-Programm (TeLiPro) und bietet spezielle Online-Coachings für Typ-2 Diabetiker an.

Autor: Julia Kaub,KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, jkaubNO SPAM SPAN!@kpmg.com

Quelle:KU Gesundheitsmanagement 08/2019