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Dr. Ruth Hecker, 56, Chief Patient Safety Officer am UK Essen, Vorsitzende Aktionsbündnis Patientensicherheit


Welche Ihrer Vorzüge werden verkannt?

Ich kann sehr gut klare Ziele formulieren und diese anderen verdeutlichen. Wenn ich mir etwas  vorgenommen habe, dann lasse ich mich schwer davon abbringen und suche Lösungen und neue Wege zur Umsetzung. Hartnäckig, aber nicht nachtragend. Ich lasse nicht locker. Das ist für andere anstrengend. Wenn etwas richtig ist, dann ist es richtig und verdient ein beharrliches Vorangehen in dieser Sache. Ich  kann aber auch sehr gut zuhören und andere Meinungen verstehen und gelten lassen. Aus dieser grundsätzlichen Empathiefähigkeit leiten einige ab, dass ich doch leicht beeinflussbar sein könnte. Aber das ist nicht der Fall, ich will mein Gegenüber verstehen, um mit ihm gemeinsam einen Weg zum Ziel zu finden.

Was war Ihre größte Fehlentscheidung und was haben Sie daraus gelernt?

Das ist eine schwierige Frage. Statt Medizin besser Psychologie zu studieren? Eine richtige  Fehlentscheidung gab es nie. Die ewige Frage, was hätte ich anders machen können…? Es gibt in den  verschiedenen Lebensphasen verschiedene Entscheidungen, die in dem jeweiligen Moment richtig und gut  waren. Im Studium drei Kinder zu bekommen, viele Jahre alleinerziehend die Kinder, parallel die  Facharztausbildung und Fortbildungen zu meistern, ist vielleicht eine Fehlentscheidung gewesen. Vielleicht  wäre es gut gewesen, sich mal nur auf eine Sache zu konzentrieren. Ich habe daraus gelernt, dass ich  unglaublich gut planen und organisieren kann und viel Power habe. Sehr schwierige Dinge brauchen viel  Verständnis und Geduld und wirklich existenziell bedrohlich sind nur lebensbegrenzende Erkrankungen. 

Welches politische Projekt sollte schnell umgesetzt werden? 

Hier fällt es mir schwer, ein Projekt zu nennen. Aus meinem beruflichen und ehrenamtlichen Fokus heraus,  die qualitätsorientierte Vergütung (Struktur- und Prozessqualität unter Einbezug des Patientenoutcomes). Qualität ist das aus Patientensicht bestimmende Maß, also das, was beim Patienten ankommt. Ebenso  wichtig ist das Aufbrechen der Sektorengrenzen, einhergehend mit einer Zentrenbildung für  die Gesundheitsversorgung unter Berücksichtigung der regionalen Rahmenbedingungen. Hier gibt es zu viele  Bewahrer im System, die das verhindern. Die Digitalisierung könnte dabei helfen, mir fehlt die nationale Strategie. Digitalisierung geht nicht klein, klein. Im Moment treibt mich die Sorge um, dass zu viele nicht  aufeinander abgestimmte Einzelprojekte laufen und am Schluss nur die IT-Industrie Geld verdient und den Markt diktiert, weil man von ihnen abhängig ist. Dies sieht man schon jetzt bei den KIS Systemen. 

Was ertragen Sie nur mit Humor?

Egoistische und schlecht gelaunte Menschen. Ich nenne sie „Bewahrer“. Menschen, die aus dem  Eigeninteresse heraus Tatsachen verdrehen oder ignorieren und keine Neuentwicklung zulassen, damit sie  ihren Einfluss, Macht und Geld bewahren können und sich nicht verändern müssen. Außerdem wenn mein  Partner versucht, mir die Welt zu erklären und die erwachsenen Kinder zu allem Überfluss noch unter die  Hundebesitzer gehen!

Wie können Sie am besten Stress abbauen?

Da gibt es einige Dinge: Ich genieße gutes Essen und baue bei einem leckeren Essen und dessen  Zubereitung Stress ab.Und ich versuche, mir möglichst jeden Tag die „Me Time“ zu nehmen: 30 Minuten  lesen und 30 Minuten spazieren gehen.

Quelle: KU Gesundheitsmanagement 01/2020