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Nicole Ruprecht, 52, Leitung Medizintechnik – Planung, Beschaffung & Service, Universitätsklinikum Heidelberg


Angenommen Sie müssten den Beruf wechseln, was würden Sie tun?

Mit meinem Beruf bin ich aktuell, insbesondere inhaltlich sehr zufrieden, deshalb stellt sich diese Frage nicht und ist auch nicht einfach zu beantworten. Ich glaube, wenn ich meinen Beruf wechseln müsste, würde ich etwas komplett anderes wagen. In der Nähe von Heidelberg fahre ich ab und zu an einem alten  großen Haus vorbei. Das Gebäude ist leider sehr herunter gekommen, befindet sich aber in einer  wunderschönen Lage. Hin und wieder erwische ich mich bei dem Gedanken, dieses alte Haus zu sanieren  und zu einem schicken kleinen Hotel mit exklusivem Restaurant umzubauen. Gäste und Besucher würde  ich dann gemeinsam mit meinem Team persönlich betreuen. So stellt sich das jedenfalls in meinen  Gedanken dar.

Was ertragen Sie nur mit Humor?

Man sagt mir zwar nach, dass ich ein sehr geduldiger Mensch bin. Allerdings werde ich sehr ungeduldig,  wenn ich es eilig habe und mit dem Auto hinter jemandem herfahren muss, der zu langsam unterwegs ist. Übertragen auf das Berufsleben, werde ich ungeduldig, wenn sich Notwendigkeiten nur sehr langsam oder  gar nicht verändern. Ich halte es für essenziell, die eigene Richtung immer wieder zu hinterfragen und gegebenenfalls zu korrigieren. Gerade im Zeitalter der Digitalisierung bedeutet Stillstand Rückschritt. Sätze  wie „Das haben wir schon immer so gemacht“ kann ich, sofern sie etwas betreffen was dringend  geändert werden müsste, nur mit Humor ertragen.

Was war Ihre größte Fehlentscheidung und was haben Sie daraus gemacht? 

Meine größte berufliche Fehlentscheidung war, mich bei meiner Berufswahl nicht gleich für eine Tätigkeit im Gesundheitswesen entschieden zu haben. Die Vielschichtigkeit ist anspruchsvoll und herausfordernd. Auch  wenn meine Tätigkeit keinen direkten Patientenbezug hat, gibt mir die soziale Komponente das Gefühl  einen sinnvollen Beitrag zu leisten. Bei meiner momentanen Aufgabe am Universitätsklinikum Heidelberg  begeistert mich die Zusammenarbeit mit vielen unterschiedlichen, intrinsisch motivierten Menschen. Es  freut mich, dass ich mich vor mehr als 20 Jahren für das Gesundheitswesen entschieden habe und ich mich auf diesem Gebiet weiterentwickeln konnte.

Welche Ihrer Vorzüge werden verkannt?

Ich glaube meine Menschenkenntnis und die Fähigkeit eine Situation schnell erfassen und beurteilen zu können, wird häufig unterschätzt. Angeblich sieht man mir nur schwer an, zumindest wenn man mich nicht sehr gut kennt, was ich zu einer Situation denke. Das führt manchmal dazu, dass mein Umfeld meint ich durchschaue ein bestimmtes Vorgehen nicht und ist dann jeweils überrascht, wenn eine verbale Reaktion erfolgt. Ein Kollege sagte mir vor einiger Zeit: „mit der Auswahl dieser und jener Person hattest du einen Glücksgriff“. Ein Quäntchen Glück gehört natürlich dazu, ich vertraue bei der Auswahl allerdings lieber auf meine Menschenkenntnis, Erfahrung und mein Bauchgefühl, was mich selten getäuscht hat.

Wie können Sie am besten Stress abbauen?

Mit meiner Familie und meinen Freunden Zeit verbringen und dabei viel Lachen, am Neckar nach Hause laufen oder auf meinem Balkon den Weitblick genießen, das sind nur ein paar der Dinge, die einen hohen Stresspegel schnell wieder normalisieren. 

Quelle: KU Gesundheitsmanagement 10/2019