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Thomas A. Kräh, 53, Geschäftsführer medius KLINIKEN


Welche Ihrer Vorzüge werden verkannt?

Hopsala! Das ist eine spannende Frage. Eine Antwort darauf ist allerdings nicht so einfach. In Bezug auf  meine Tätigkeit als Geschäftsführer steht für mich die Frage im Raum: Erkennen die Führungskräfte in  unserem Klinikverbund mein Bestreben, „ein Krankenhaus mit zufriedenen Patienten und Mitarbeitern“  erfolgreich und nachhaltig zu betreiben? Gerade in der aktuellen Zeit stetiger Veränderungen ist es wichtig,  eine nachhaltige und erfolgreiche Unternehmensvision zu entwickeln. Und genau hier kann die  Ursache des „Verkennens“ liegen, beispielsweise in einer unzureichenden Kommunikation oder der  fehlenden Wertschätzung und Beachtung von Ideen und Anregungen der Führungskräfte und Mitarbeiter  bei der Entwicklung dieser Unternehmensvision. Aber um Ihre Frage zu beantworten: Ich verhalte mich  authentisch und das wissen meine Mitarbeiter!

Was war Ihre größte Fehlentscheidung und was haben Sie daraus gelernt?

Fehlentscheidung… Ein gefährliches Wort für einen Geschäftsführer im Gesundheitswesen. Gilt es doch als  Geschäftsführer täglich Entscheidungen zu treffen. An eine einzelne große Fehlentscheidung kann ich mich  nicht erinnern. Informiert zu entscheiden ist für mich eine wichtige Voraussetzung. Ich stütze meine  Entscheidungen nicht bloß auf das Bauchgefühl oder meine langjährige Erfahrung, sondern nutze möglichst  viele Informationen, um eine solide Basis für meine Entscheidungen zu haben. Andererseits gilt:  Wichtige Entscheidungen müssen zügig fallen! Tempo bewerte ich definitiv höher als Perfektion! Ich verfolge die Umsetzung und die Ergebnislage von Entscheidungen sehr genau und steuere um, wenn sich die Dinge anders entwickeln als geplant. Das erachte ich als äußerst wichtig. Es ist für mich eine  Selbstverständlichkeit meine Meinung auch zu ändern, wenn dies auf Grund neuer Erkenntnisse oder neuer  Rahmenbedingungen sinnvoll erscheint. Natürlich gab es auch in meiner beruflichen Tätigkeit  Entscheidungen, die anders verlaufen sind, als ich mir das ursprünglich vorgestellt habe und natürlich würde ich viele Dinge – beruflich und privat – mit der heutigen Erfahrung anders gestalten.

Welches politische Projekt sollte schnell umgesetzt werden?

Mich persönlich stört dieser Staatsglaube.  Funktioniert etwas nicht, rufen wir nach dem Staat.  Wünschenswert wäre für mich,mehr von der Philosophie des ehemaligen US-Präsidenten John F. Kennedy  im Alltag zu erleben: „Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann – fragt, was ihr für euer Land tun  könnt!“ Ein wichtiges politisches Projekt für das Gesundheitswesen ist die Digitalisierung und der sichere  Austausch von standardisierten, strukturierten Daten – sektorenübergreifend. Davon können alle Beteiligten nur profitieren: bessere Versorgung für Patienten, bessere Arbeitsumgebung für die Kolleginnen und Kollegen, leichterer Zugang für Unternehmen, um innovative Lösungen zu entwickeln und definitiv ein sinnvollerer Einsatz der Ressourcen.

Was ertragen Sie nur mit Humor?

Trump, Brexit, Germany’s Next Top Model und Polit-Talkshows (wenn man beim Zappen mal dort  hängenbleibt). Kaum zu glauben, dass dies alles ernst gemeint sein soll. Leider bleibt mir das Lachen  aber manchmal im Halse stecken.

Wie können Sie am besten Stress abbauen?

Das beste Mittel ist sicherlich, sich keinen Stress zu machen. Meine Aufgabe im Gesundheitswesen und die damit verbundenen Erfahrungen in Grenzbereichen helfen mir sehr, die wirklich wichtigen Dinge im Leben  zu erkennen und mich nicht über Kleinigkeiten aufzuregen oder zu stressen. Entspannen kann ich mich am besten im Kreise meiner Familie und meiner Freunde. Meine Hobbys tun ihr Übriges. So jogge ich gerne  am frühen Morgen mit meinem Labrador und fahre leidenschaftlich gerne Ski in den Bergen. Aber auch ein  gutes Buch von Robert Harris oder Don Winslow kann mich total entspannen.

Quelle: KU Gesundheitsmanagement 09/2019