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Volker Hippler, 50, CEO / Vorstandsvorsitzender bei MEDICLIN


Welche Ihrer Vorzüge werden verkannt?

Diplomatie und Fingerspitzengefühl sind Eigenschaften, die es mir ermöglichen, aufkeimende Konflikte sehr früh zu erkennen und zu entschärfen. Bevor die Wogen hochschlagen, kann ich so eine ausgleichende, vermittelnde Position einnehmen und Eskalation frühzeitig entgegenwirken.

Was war Ihre größte Fehlentscheidung und was haben Sie daraus gelernt?

Ich denke nicht, dass es sich lohnt, über Fehlentscheidungen nachzudenken. Klassische Fehlentscheidungen existieren meiner Meinung nach nicht.Wenn eine Entscheidung einmal getroffen wurde, bringt diese eben manchmal auch Negatives mit sich. Dann hilft es ja nichts, die Entscheidung ausgiebig zu bedauern. Vielmehrmüssenwir uns überlegen, wie wir jetzt das Beste aus der Situation machen können, wie wir dennoch das Maximum herausholen und vor allem, wie wir solche Entscheidungen in Zukunft vermeiden. Mit etwas zeitlichem Abstand lässt sich übrigens oft besser beurteilen, was genau falsch oder schlecht gelaufen ist und welche Schlüsse wir daraus ziehen sollten.

Welches politische Projekt sollte schnell umgesetzt werden?

Ein erfolgreicher Klimaschutz und eine konsequente Konzentration auf Nachhaltigkeit – Letzteres auch bezogen auf die Gesundheitsbranche. Durch die Erarbeitung unseres Nachhaltigkeitsberichts sind wir bei MEDICLIN diesbezüglich gerade besonders sensibilisiert. Ich bin überzeugt davon, dass nachhaltiges unternehmerisches Handeln die wirtschaftliche Stabilität von Unternehmen langfristig unterstützt, denn der nachhaltige Umgang mit Ressourcen und der Umwelt erhöht die Akzeptanz der angebotenen Leistungen und Produkte. Nachhaltigkeit muss dringend auch zum Grundprinzip der Gesellschaft werden.

Bezogen auf die Gesundheitspolitik sollte sich Nachhaltigkeit auch darin äußern, endlich strategisch – mehrjährig – zu denken und handeln. Wir müssenwegkommen von symptomorientierten, kurzfristigen Aktionen.

Hier hilft ein Blick über den Tellerrand in Richtung unserer europäischen Nachbarländer, zum Beispiel in die Niederlande oder nach Skandinavien. Ein konsequenter Ausbau von präventionsmedizinischen Angeboten nach dem Vorbild dieser Länder wäre ein Schritt in die richtige Richtung. Und bei allen Reformbemühungen darf auch die Rehabilitation keinesfalls vergessen werden. Sie ist ein wichtiger Bestandteil unseres Gesundheitssystems und leistet Beachtliches.

Ein weiteres gesundheitspolitisches Projekt, das ich befürworte, sind die momentanen Forderungen nach einer Abkopplung des Medizinischen Dienstes von den Krankenkassen mit dem Ziel unabhängigerer Prüfungen.

Was ertragen Sie nurmit Humor?

Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Das gilt bei mir für Vorträge, bei denen die vorbereiteten Folien nur abgelesen werden. Auch wenn der Referent lange nicht zum Punkt kommt oder wenn Sitzungen ewig dauern, ohne dass ein Ergebnis absehbar ist, ist das ohne Humor wirklich schwer zu ertragen.

Wie können Sie am besten Stress abbauen?

Am besten ist es, ab und zu einfach den Kopf frei zu bekommen. Da hilft zum Beispiel Urlaub oder auch ein gutes Buch. Auch frische Luft wirkt Wunder. Bei einem Spaziergang im Wald oder bei derGartenarbeit kann ich mich wunderbar entspannen und Stress abbauen.

Quelle: KU Gesundheitsmanagement 8/2019