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Dr. York Dhein, 53, Vorstandsvorsitzender der Johannesbad Gruppe


Welche Ihrer Vorzüge werden verkannt?
Ich bin ein ganz umgänglicher Mensch. Was bedeutet: Ich bin offen für Anregungen, gehe Themen pragmatisch an, lasse mit mir reden. Manch einer merkt das aber erst nach einer Weile. Denn scheinbar gelingt es mir nicht immer, diese Eigenschaft beim ersten Kontakt zu vermitteln. Wer mich besser kennt, weiß, dass man mit mir gut zusammenarbeiten kann.

Was war Ihre größte Fehlentscheidung und was haben Sie daraus gelernt?
Wenn ich zurückblicke, glaube ich, beruflich wie privat keine wirklich großen Fehler gemacht zu haben. Jedoch würde ich die eine oder andere Entscheidung heute sicher anders treffen. Doch für den jeweiligen Moment waren die Entscheidungen richtig – auch aus heutiger Sicht noch. Wichtig erscheint mir immer, aus der jeweiligen Situation und vom jeweiligen Standpunkt aus das Beste zumachen. Und das istmir bei wirklich wichtigen Projekten gelungen. Letztlich habe ich die Projekte auf denWeg gebracht und sie zur Zufriedenheit umgesetzt. Überhaupt zu entscheiden und dazu zu stehen, auch in unsicheren oder schwierigen Situationen: Das ist für mich ausschlaggebend – beruflich wie privat. Denn wer zögert und Angst vor Entscheidungen hat, wird nicht weiter vorankommen.

Welches politische Projekt sollte schnell umgesetzt werden?
Europa! Unser gemeinsames europäisches Projekt darf nicht scheitern. Denn es sichert Wohlstand, Stabilität und Frieden für ganz viele europäische Länder. Das wird aber nur gelingen, wenn wir bereit sind zu teilen und abzugeben. Außerdem müssenwir alle an einem Strang ziehen. Unerträglich finde ich nationale Spinner. Gerade in der aktuellen Lage, die sich zwischen Amerika und China zuspitzt, habenwir nur mit einer vereinten Stimme eine Chance. Wenn das nicht gelingt, dann nähen wir in einigen Jahren die T-Shirts für die Chinesen – auch wenn das überspitzt formuliert ist.

Was ertragen Sie nur mit Humor?
Starrköpfigkeit und Engstirnigkeit. Darauf reagiere ich zynisch. Denn nur mit Offenheit und der Bereitschaft, andere Meinungen gelten zu lassen, kommt man weiter im Berufsleben, aber auch privat. Ich weiß, dass mein Zynismus gefürchtet ist. Deshalb arbeite ich auch an mir,mich damit etwas zurückzunehmen und entspannter zu reagieren. Ich versuche solche Situationen immer häufiger mit einem Lächeln zu nehmen, mir meine zynischen Bemerkungen zu verbeißen – Humor hilft in solchen Momenten.

Wie können Sie am besten Stress abbauen?
Ganz gut im Kreis meiner Familie, mit Freunden und beim Sport. Da bekomme ich den Kopf frei und kann mich auchmal auspowern. Am besten jedoch beim Kochen. Dabei arbeite ich an vielen Dingen gleichzeitig, am Ende ordnet sich alles in eine sinnvolle Speisenfolge – das fordert die volle Konzentration. Da schalte ich ab. Ich denke auch, wer in der Küche besteht, ist auch im Management richtig: Übersicht behalten, Ruhe bewahren, effizient arbeiten sowie vorausschauend denken und planen – das ist in beiden Jobs gefordert.

Quelle: KU Gesundheitsmanagement  07/2019