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Gunnar Sevecke, 47,Geschäftsführung Finanzen & Strategie der Frankfurter Rotkreuzkliniken e.V.


Welche Ihrer Vorzüge werden verkannt?
Die Frage ist interessant und schwierig zugleich, suggeriert sie doch, dass es verkannte Vorzüge gibt. Versteht man darunter, die von sich selbst als positiv wahrgenommenen Persönlichkeitsmerkmale, die  weniger offensichtlich sind, so würde mir die Geduld einfallen. In Zeiten, in denen gern mit Ungeduld als Schwäche kokettiert wird und in denen die sofortige Lösungspräsentation als agil und dynamisch gilt, ist eine Kombination aus Rückbesinnung und geduldiger Lösungsfindung oft der effektivere und bessere Weg. Belastbare Ergebnisse sind mir wichtiger als verführerische Schnelllösungen. Wenn das Geduld erfordert,  dann ist es eben so.

Was war Ihre größte Fehlentscheidung und was haben Sie daraus gelernt?
Entscheidungen zu treffen ist eine elementare Führungsaufgabe. Da führt kein Weg daran vorbei.  Fehlentscheidungen beruhen meiner Erfahrung nach in vielen Fällen auf einer unvollständigen oder oberflächlichen Problemanalyse, die oft aus Denkfaulheit oder mentaler Trägheit resultiert. Damit meine ich  nicht Entscheidungen bei klarer Problemlage und unvollständigen Informationen, so etwas kommt öfters  vor. An eine einzelne größere Fehlentscheidung kann ich mich allerdings nicht erinnern. Oft verfolgt man die Umsetzung und die Ergebnislage von Entscheidungen sehr genau und steuert um, wenn sich die Dinge anders entwickeln als geplant und es deswegen notwendig wird. Als Lernkurve würde ich die Fähigkeit nennen, eigene Entscheidungen, aber auch Standpunkte wieder zu ändern und dann auch dazu zu stehen. Authentischer kann Führung kaum sein.

Welches politische Projekt sollte schnell umgesetzt werden?
Mein Herzensthema ist der Einstieg in eine echte Deregulierung. Gesetzes- und Verordnungswut aus Brüssel, Berlin und den Bundesländern strangulieren meiner Ansicht nach zunehmend die deutschen Krankenhausunternehmen. Die sich teilweise widersprechende Gerichtsbarkeit kommt noch erschwerend  dazu. Dadurch wächst die rechtliche Komplexität beständig. Darüber hinaus nehmen staatliche Kontrollaktivitäten zu. Da stimmt meines Erachtens etwas an unserem System nicht mehr. Es fehlt aus meiner Sicht ein Korrektiv, welches die weiter zunehmende Regulierung wieder auf ein notwendiges Maß reduziert.

Was ertragen Sie nur mit Humor?
Wiederholt mangelhafte Ergebnisse bei Baudienstleistungen ertrage ich zwischenzeitlich nur noch mit Humor. Durch das deutsche Vergaberecht ist man oft auf den ausgewählten Architekten, den Fachplaner  oder die Baufirma festgelegt. Wenn diese dann wiederholt ihren Job gar nicht oder nicht befriedigend  erfüllen, ist die Zusammenarbeit nicht mehr „vergnügungssteuerpflichtig“. Da hilft dann wirklich „nur“ Humor.

Wie können Sie am besten Stress abbauen?
Die Frage unterstellt zunächst, dass man Stress hat, den man abbauen muss. Dabei sollte man erwähnen,  dass es auch im Berufsleben viele schöne Zeiten gibt. Dieser Positivstress muss dann sicher nicht oder eben anders „abgebaut werden“. Richtig ist aber, dass jeder, der intensiv im Arbeitsleben steht, seine Batterien von Zeit zu Zeit aufladen muss. Führungsvorbilder sollten dann beispielsweise beim Thema Urlaubsabwesenheit und Wochenend-Nicht-Erreichbarkeit konsequent sein. Ansonsten mag ich persönlich die Begegnung mit Freunden, sportliche Aktivitäten sowie das Faulenzen gleichermaßen. Beim Sport schlägt mein Herz vor allem für das Rennradfahren.

Quelle: KU Gesundheitsmanagement  06/2019