Unterfinanzierung und Fachkräftemangel bleiben Hauptprobleme

Stuttgart. „Die Ergebnisse des aktuellen BWKG-Indikators zeigen erneut eine Verschärfung der Probleme der Krankenhäuser, Reha-Kliniken und Pflegeeinrichtungen im Land".

Quelle: Fotolia - Alexandra


"Unterfinanzierung und Fachkräftemangel sind und bleiben die Hauptprobleme“, so der Vorstandsvorsitzende der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft (BWKG), Detlef Piepenburg, zur aktuellen Indikator-Umfrage, die vor wenigen Tagen abgeschlossen worden ist. Dabei werden die Geschäftsführer der BWKG-Mitgliedseinrichtungen halbjährlich zu ihrer Einschätzung der wirtschaftlichen Situation und zur Gewinnung von Fachkräften befragt.

Nach den Ergebnissen des BWKG-Indikators 1/2019 haben 44 % der Krankenhäuser, 41 % der Reha-Kliniken und 31 % der Pflegeeinrichtungen das Jahr 2018 mit roten Zahlen abgeschlossen. „Diese Zahlen belegen einmal mehr, dass hier nach wie vor großer Handlungsbedarf besteht“, unterstreicht der BWKG-Vorstandsvorsitzende, der auch Landrat des Kreises Heilbronn ist. Auch der wachsende Fachkräftemangel werde in den Ergebnissen mehr als deutlich: Rund 75 % der Krankenhäuser und 80 % der Reha-Kliniken haben Schwierigkeiten, freie Stellen im Ärztlichen Dienst neu zu besetzen. 85 % der Krankenhäuser, 84 % der Reha-Kliniken und 86 % der Pflegeeinrichtungen haben Probleme, freie Stellen bei den Pflegefachkräften zu besetzen.

„Ein deutliches Warnsignal ist, dass mehr als die Hälfte der Altenpflegeeinrichtungen ab dem kommenden Jahr mit einer rückläufigen Zahl von Pflege-Auszubildenden rechnen“, kommentiert Piepenburg ein weiteres Ergebnis aus der aktuellen BWKG-Indikator-Umfrage. Auf die Frage, wie sich die Zahl die Auszubildenden mit Blick auf die neue Pflegeausbildung entwickeln wird, haben die Geschäftsführer der Altenpflegeeinrichtungen wie folgt geantwortet: Nur in 3,1 % der Einrichtungen soll die Zahl der Auszubildenden in der Pflege steigen. In 51,5 % der Altenpflegeeinrichtungen wird damit gerechnet, dass die Zahl ihrer Auszubildenden sogar sinkt.

„Auch in Zukunft müssen in der Pflege mindestens so viele junge Menschen ausgebildet werden wie bisher“, fordert Piepenburg. „Eigentlich brauchen wir sogar mehr: Wegen der demografischen Veränderung werden auch mehr Pflegekräfte benötigt, denn die Zahl der Menschen, die auf Pflege angewiesen sind, wird steigen“, betont Piepenburg. Um die damit verbundenen Finanzströme abzuwickeln, sei der Ausbildungsfonds Baden-Württemberg (AFBW) gegründet worden. Zudem sei es vor wenigen Tagen gelungen, die landesweiten Pauschalvergütungen für die Schulen und die Praxisausbildung zu vereinbaren. Probleme gebe es aber noch bei den Praxisanleitern, den Einsatzorten für die Ausbildung und der Suche nach geeigneten Kooperationspartnern.

„Was wir brauchen ist Augenmaß und Pragmatismus in der Umsetzung der neuen gesetzlichen Anforderungen“, so der Vorstandsvorsitzende. Wenn einem ambulanten Dienst noch eine Praxisanleiterin oder ein Praxisanleiter fehlt, muss es möglich sein, sich eine solche Fachkraft aus einem Krankenhaus auszuleihen. Wenn die Praxisplätze in den Kinderkliniken voll sind, muss es möglich sein, die Auszubildenden zu niedergelassenen Kinderärzten zu schicken. Daran müssten alle Beteiligten mitarbeiten.

44 % der Krankenhäuser haben nach dem Ergebnis des BWKG-Indikators 1/2019 das Jahr 2018 mit roten Zahlen abgeschlossen. „Die Krankenhäuser im Land leiden nach wie vor darunter, dass strukturelle Kostenunterschiede zwischen den Bundesländern im deutschen Krankenhausfinanzierungssystem weitgehend unberücksichtigt bleiben“, betont Piepenburg. Dass die neu geschaffenen Pflegestellen vollständig finanziert werden sollen, entspreche einer langjährigen Forderung der BWKG. Die ebenso vorgesehene volle Finanzierung der Tarifsteigerungen sei wichtig, damit die Defizite nicht noch größer werden. Unverständlich sei aber, warum die volle Finanzierungszusage nur für die Pflege und nicht für alle Berufsgruppen gelten soll. Das Geld dafür sei vorhanden. Schließlich führten überdurchschnittlich hohe Löhne der Versicherten in Baden-Württemberg auch zu überdurchschnittlich hohen Einnahmen der Krankenversicherung.

Auch die wirtschaftliche Situation der Reha-Kliniken ist nach wie vor problematisch. 41 % der Reha-Einrichtungen haben 2018 rote Zahlen geschrieben. „Der Anspruch der Reha-Einrichtungen auf eine leistungsgerechte Vergütung muss endlich im Gesetz verankert werden“, fordert Piepenburg. Damit müsse sichergestellt werden, dass die Kliniken ihre Investitionskosten und auch regional überdurchschnittliche Lohnkosten bei wirtschaftlicher Geschäftsführung finanzieren können. Es sei enttäuschend, dass die immer wieder angekündigten gesetzlichen Verbesserungen für die medizinische Rehabilitation weiter auf sich warten lassen. Dabei ist sie ein ganz wichtiger Eckpfeiler einer modernen Gesundheitsversorgung. Und trotz der anerkannt positiven Wirkung wird die Rehabilitation nach wie vor vernachlässigt. Ganz aktuell werden Reha-Kliniken nicht als Ausbilder für den neuen Pflegeberuf vorgesehen und eine volle Finanzierung der Pflegefachkräfte ist auch nicht sichergestellt.

31 % der Pflegeeinrichtungen im Land haben das Jahr 2018 mit roten Zahlen abgeschlossen. „Damit ist die Situation der Altenpflegeeinrichtungen zwar besser als die der Krankenhäuser und Reha-Kliniken“, so Piepenburg. Die finanzielle Situation habe sich aber seit 2016 deutlich verschlechtert. Damals hatten nur 22 % rote Zahlen geschrieben. Grund für die Verschlechterung der Situation sei vor allem, dass die Altenpflegeeinrichtungen nicht alle Plätze belegen können, da sie das dafür notwendige Fachpersonal nicht haben. Eigentlich sollen in den Pflegeeinrichtungen mit dem Pflegepersonalstärkungsgesetz 13.000 neue Stellen geschaffen werden. Hierfür finden die Einrichtungen aber kaum Personal und wenn doch, wird die Finanzierung bislang praktisch nicht übernommen.

Quelle: www.bwkg.de