UKGM mahnt Kritiker zur Besonnenheit: Kein Pflegenotstand in Gießen

Gießen/Marburg. Eine Tarifeinigung mit besserer Eingruppierung für viele Berufsgruppen steht kurz bevor.

Quelle: AdobeStock - romaset


„Wenn 2,3 Prozent von 1.288 Betten vorübergehend nicht belegt werden können, hat das mit einem ‚Pflegenotstand‘ nichts zu tun. Für ein Haus unserer Größe mit 5.500 Beschäftigten und jährlich 50.000 stationären und rund 217.000 ambulanten Patienten ist dies kein ungewöhnlicher Vorgang. Selbst die größten Kritiker des UKGM wissen das“, mahnte heute der Vorsitzende der Geschäftsführung des Universitätsklinikums Gießen und Marburg, Dr. Gunther K. Weiß. „Ein besonneneres Auftreten in dieser für alle Krankenhäuser in Deutschland extrem schwierigen Situation wäre mehr als angemessen.“

 

Seit Jahren beklagen deutsche Kliniken einen Rückgang an Bewerber/innenzahlen für ihre Ausbildungsplätze in Pflege- und Gesundheitsfachberufen. Zeitgleich berichten Krankenhäuser bundesweit über zunehmende Probleme, in ihren Häusern Pflegestellen zu besetzen. Die 34 deutschen Uniklinika waren lange Zeit von diesen beiden Trends verschont – doch seit rund zwei Jahren, etwa seit Herbst 2017, sind diese beiden Entwicklungen auch am UKGM in Gießen zu beobachten. Mit einer Ausweitung von Anzeigen- und Werbeaktivitäten, einer auf die Pflege zugeschnittenen Imagekampagne und mehreren Bewerberdialogen für interessierte Schüler/innen von Abgangsklassen einerseits und für an einem Jobwechsel interessierten Berufstätigen andererseits, hat das Uniklinikum seine Aktivitäten deutlich und erkennbar ausgeweitet. Derzeit in Ausbildung befindliche Krankenpflegeschüler erhielten frühzeitig eine Zusage zur Übernahme in ein Arbeitsverhältnis am Klinikum. Parallel unternahm und unternimmt die Geschäftsführung viel, um die Arbeitsbedingungen in der Pflege und den Gesundheitsfachberufen zu verbessern und die Gehälter noch attraktiver zu gestalten. Eine Tarifeinigung mit einer neuen, besseren Eingruppierung für viele Berufsgruppen steht kurz bevor.

 

Damit Pflegepersonaluntergrenzen eingehalten werden können, müssen mittlerweile 37 Prozent aller deutschen Kliniken Betten auf Intensivstationen schließen. Das geht aus den Zwischenergebnissen des Krankenhaus Barometers 2019 des Deutschen Krankenhausinstituts vom 10. September dieses Jahres hervor. Auf pflegesensitiven Allgemeinstationen mussten 23 Prozent der Kliniken Betten sperren. 29 Prozent mussten gesamte Bereiche zeitweise von der Notfallversorgung bei der Leitstelle des Rettungsdienstes abmelden.

 

„Unser Zwischenfazit lautet: Der Arbeitsmarkt Pflege und Gesundheitsfachberufe ist und bleibt noch für längere Zeit extrem angespannt und der Wettbewerb zwischen den Kliniken ist hoch“, so Dr. Weiß. „Wir beteiligen uns allerdings nicht an Abwerbekampagnen für Pflegekräfte. Mit solchen Prämien schädigen sich Kliniken nur gegenseitig und am Ende ist niemandem geholfen. Mehr Ausbildung, mehr Angebote zum Wiedereinstieg in den Pflegeberuf, bessere Bedingungen in der Pflege – das sind für uns die Leitideen, an denen wir uns als Universitätsklinikum orientieren.“

 

„Für unsere Patientinnen und Patienten gilt weiterhin: Alle werden bestmöglich medizinisch und pflegerisch versorgt im Uniklinikum“, sagte Dr. Weiß.

 

Quelle: www.ukgm.info