Stempel statt Skalpell: Niedersächsische Krankenhäuser prangern in Kinospot wuchernde Bürokratie an

Hannover. Ein Kinospot, der bis Anfang Mai in 174 niedersächsischen Kinos gezeigt wird, soll auf die zunehmende Bürokratie im Krankenhaus aufmerksam machen. „Diese Hürde darf die Qualität der Behandlung nicht gefährden”, fordert die Niedersächsische Krankenhausgesellschaft (NKG), die den Film in den Kinos einsetzt.

Ein Kinospot


Die vom Gesetzgeber geschaffene Bürokratie zähle zu den größten Hürden, die die niedersächsischen Krankenhäuser bei der hochwertigen Versorgung ihrer Patienten jeden Tag erneut überwinden müssten.
Unter dem Deckmantel scheinbarer „Qualitätsverbesserungen“ zögen neue Vorschriften immer mehr Ärzte und Pflegekräfte für Verwaltungsaufgaben ab, die „am Patienten“ dringend benötigt würden, so Helge Engelke, Verbandsdirektor der NKG. Das trage zum großen Teil zur bekannten massiven Arbeitsverdichtung im Krankenhaus bei. Heute stehe Qualität bei zusätzlichen Anforderungen meist nur noch „außen drauf“, betont Engelke. Zählen und Erfassen sei aber nur sinnvoll, wenn es zu einer verbesserten Behandlungsqualität beiträgt.

Bestes Beispiel für mehr Bürokratie ohne Nutzen für den Patienten seien die mit dem neuen Niedersächsischen Krankenhausgesetz (NKHG) geplanten „Stationsapotheker“ für alle Krankenhäuser. Der verpflichtende flächendeckende Einsatz dieser zusätzlichen Apotheker auf den Stationen sei wegen der mangelnden Verfügbarkeit von Apothekern am Arbeitsmarkt nicht zu erfüllen. Ob mit ihrem Einsatz das anvisierte Ziel einer höheren Patientensicherheit erreicht werden könne, sei ebenfalls zweifelhaft.

Die Kritik der NKG bezieht sich auch auf eine weitere bürokratische Hürde: die Mindestvorgaben. Die Krankenhäuser haben bewiesen, dass sie sich sinnvollen Personalvorgaben nicht verweigern. Momentan sollen aber unter dem Etikett „Qualität“ in immer mehr Bereichen objektiv nicht erfüllbare Mindestvorgaben folgen – obschon im Vorfeld der Neuregelung erkennbar ist, dass es auf dem Arbeitsmarkt nicht genug qualifizierte Bewerber für die geforderten Stellen gibt. Die Politik erwirkt damit in Wahrheit eine Einschränkung der Patientenversorgung sowie Vergütungskürzungen bei den Krankenhäusern.

Quelle: www.nkgev.info