Rechtskolumne: Schockschaden nach ärztlicher Fehlbehandlung

Das BGH urteilte aktuell, dass die zum Schockschaden entwickelten Grundsätze auch auf fehlerhafte ärztliche Behandlungen anzuwenden sind.

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Psychische Störungen von Krankheitswert können eine Gesundheitsverletzung im Sinne des § 823 Abs. 1 BGB darstellen. Allerdings begründen seelische Erschütterungen wie Trauer oder seelischer Schmerz, denen Betroffene beim Tod oder einer schweren Verletzung eines Angehörigen erfahrungsgemäß ausgesetzt sind, nicht ohne weiteres eine Gesundheitsverletzung. Das ist nur dann der Fall, wenn sie pathologisch fassbar sind und über die gesundheitlichen Beeinträchtigungen hinausgehen, denen Betroffene beim Tod oder einer schweren Verletzung eines nahen Angehörigen in der Regel ausgesetzt sind. Dies gilt auch für Folgen eines ärztlichen Behandlungsfehlers. Es sei kein Grund erkennbar, denjenigen, der eine (psychische) Gesundheitsverletzung infolge einer behandlungsfehlerbedingten Schädigung eines Angehörigen erleidet, anders zu behandeln als denjenigen, den die (psychische) Gesundheitsverletzung infolge einer auf einem Unfallereignis beruhenden Schädigung des Angehörigen trifft. 

BGH, Urteil v. 21.05.2019 - VI ZR 299/17

 

Praxistipp des Autors: Eine Schadensersatzpflicht besteht jedoch nur, wenn die Tatfolgen, für die Ersatz begehrt wird, aus dem Bereich der Gefahren stammen, zu deren Abwendung die verletzte Norm erlassen worden ist. Daran fehlt es in der Regel, wenn sich eine Gefahr realisiert hat, die dem allgemeinen Lebensrisiko und damit dem Risikobereich des Geschädigten zuzurechnen ist. 

Kontakt zum Autor: Dr. Tobias Weimer, M.A, Fachanwalt für Medizinrecht, c/o WEIMER I BORK – Kanzlei für Medizin-, Arbeits- & Strafrecht, Frielinghausstr. 8, 44803 Bochum; www.kanzlei-weimer-bork.de; weimer@kanzlei-weimer-bork.de