Mediziner-Ausbildung: "Die Geriatrie in der Schweiz ist flexibler als in Deutschland"

Frankfurt am Main. Differenzen zwischen der Schweiz und Deutschland: Die beiden europäischen Nachbarländer haben viele Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten in der Altersmedizin.

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Mit der Ausbildung, der Professionalisierung des Fachgebietes und der Nachwuchsförderung beschäftigt sich Privatdozent Dr. med. Thomas Münzer (Foto), Chefarzt der Geriatrischen Klinik St. Gallen und Vorstandsmitglied der Schweizerischen Fachgesellschaft für Geriatrie. „Wir können sehr viel voneinander lernen“, sagt der Mediziner.

Beim Thema Weiterbildung ist die Schweiz ganz weit vorne: „Mit Wirkung dieses Jahres haben wir die Weiterbildungsbedingungen für den Schwerpunkt Geriatrie überarbeitet und dazu auch einen international anerkannten Lernzielkatalog hinterlegt“, erklärt PD Dr. Münzer. Beim überarbeiteten Weiterbildungsprogramm wurde zum Beispiel die Zeit, die ein angehender Geriater in der Psychiatrie verbringt, verkürzt. Zudem findet die Prüfung nun komplett in Englisch statt. Auch in Deutschland könne man die Weiterbildung in diese Richtung weiterentwickeln, findet der Chefarzt, räumt aber auch strukturelle Unterschiede ein, die dies erschweren: „Die Geriatrie in der Schweiz ist national organisiert, es gibt also nur eine Instanz, die die Verordnung absegnen muss. Das macht uns flexibler als in Deutschland, wo die Bundesländer mitentscheiden“, so Münzer.

Geriatrie hat sich zur anerkannten Fachdisziplin gemausert

Das Ansehen der schweizerischen Geriatrie habe sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich verbessert – von der „etwas belächelten Disziplin“ zur anerkannten Fachgesellschaft, die automatisch auf jedem Internistenkongress eingeladen wird. Speziell für junge und angehende Altersmediziner und -medizinerinnen hat die Schweizerische Fachgesellschaft für Geriatrie SFGG eine Abteilung aufgebaut.

PD Dr. Münzer stellt einen Mentalitätsunterschied bei den beiden Nationen fest, wenn es um Entscheidungsprozesse geht: „Hier in der Schweiz wird direkt nach einem Konsens gesucht, in Deutschland wird dagegen mehr diskutiert. Deswegen können wir schneller etwas bewegen.“

Deutsche und schweizerische Geriatrie hat Potenzial für viele gemeinsame Projekte

Mit der deutschen Fachgesellschaft verbindet die schweizerische viele Gemeinsamkeiten: „Zum Beispiel die ganz hohe Motivation, gute geriatrische Medizin zu machen und das Fach vor allem für junge angehende Geriater attraktiv zu machen“, sagt PD Dr. Münzer. Beide Länder wollen zudem eine gute Lehre mit exzellenten Inhalten anbieten. Auch bei grenzüberschreitenden wissenschaftlichen Projekten sieht er viel Potenzial: „Wir haben zum Beispiel zusammen ein Positionspapier „Der alte Mensch in der Notfallmedizin“ erarbeitet. Derzeit überlegen wir, ob wir gemeinsam etwas zum Thema „Reanimation im Alter“ erarbeiten können.“ Besonders junge Altersmediziner seien zukünftig gefragt, sich zunehmend zu vernetzen – ganz im Sinne des Kongressmottos „Geriatrie – jung und grenzenlos.“

 

Quelle: www.dggeriatrie.de