Krankenhäuser stehen in Deutschland vor großen Herausforderungen

Hamburg. Rund 70 Prozent der 30 größten Krankenhausverbünde in Baden-Württemberg sind defizitär.

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Eine strategische Neuausrichtung könnte eine erste Antwort sein, denn die Kliniken sind für die medizinische Versorgung unerlässlich und bedeutende regionale Arbeitgeber. In der Studie „Aktuelle wirtschaftliche Situation der Krankenhäuser in Baden-Württemberg“ von Roland Berger skizzieren die Berater Optionen, wie die verschuldeten Krankenhäuser wieder finanziell handlungsfähig werden können. Für die Studie wurden sowohl die wirtschaftlichen Kennzahlen der 30 größten Krankenhausverbünde als auch die Herausforderungen und Chancen der Kliniken in Baden-Württemberg analysiert. Nach einer leichten Erholung in 2016 hat sich die wirtschaftliche und finanzielle Lage der Kliniken in Baden-Württemberg wieder verschlechtert.

Weniger Patienten als im Vorjahr
Im südwestlichsten Bundesland sind die Patientenzahlen rückläufig, wofür eine kürzere Verweildauer des einzelnen Patienten ebenso verantwortlich ist wie eine zunehmende Ambulantisierung. Die Bettenauslastung im somatischen Bereich lag dabei in Baden-Württemberg im Jahr 2017 – die Zahlen für 2018 wurden noch nicht final erhoben – mit gerade einmal 73,8 Prozent unterhalb des bundesdeutschen Durchschnitts.

Während die Patientenzahlen in vielen Fachabteilungen rückläufig waren, nahmen die Fälle besonders in der Kinder- und Jugendpsychiatrie /-psychotherapie stark zu (+4,7%). Deutliche Zuwächse verzeichneten auch die Fachabteilungen Neurochirurgie (+4,2%) und Geriatrie (+3,7%). Stark rückläufig waren dagegen die Fallzahlen unter anderem in den Fachabteilungen Plastische Chirurgie (-6,8%) sowie in der Strahlentherapie (-4,8%). Im Jahr 2017 wurden auf Fachabteilungsebene insgesamt knapp 2,16 Millionen Patienten versorgt, was einer Entwicklung von -0,3 Prozent zum Vorjahr entspricht.

Krankenhäuser investieren konsequent in ihre Patienten
Gleichzeitig stiegen die Ausgaben der Krankenhäuser. Diese beliefen sich im Jahr 2017 auf über 10,9 Milliarden Euro pro Jahr und steigen damit weiter. Erstmals kostete ein Patient die Krankenhäuser in Baden-Württemberg durchschnittlich über 5.000 Euro, was einer Steigerung von vier Prozent zum Vorjahr entspricht. Damit liegen die Patientenkosten in Baden-Württemberg gut 400 Euro über dem Bundesdurchschnitt. Weitere Kostenpunkte sind Investitionen in die Medizintechnik und in Baumaßnahmen.
Unterm Strich: Nach einer leichten Erholung in 2016 hat sich die wirtschaftliche und finanzielle Lage der Kliniken in Baden-Württemberg wieder verschlechtert. 70 Prozent der 30 größten Krankenhausverbünde in Baden-Württemberg sind defizitär. In Zahlen: Im Vergleich zu 2016 verschlechterte sich das kumulierte Ergebnis in 2017 um rund 21 Millionen Euro auf -153 Millionen Euro.

Bedeutender Arbeitgeber mit ungenutztem strategischen Potential
Die Krankenhäuser in Baden-Württemberg sind nicht nur unerlässlich für die medizinische Versorgung der Bevölkerung. Mit 114.000 Beschäftigten in Vollzeit zählen sie auch zu den bedeutendsten Arbeitgebern. Die größten Zuwächse in den vergangenen Jahren lassen sich bei den Ärzten verzeichnen: 2017 arbeiteten 2.500 Vollkräfte mehr im ärztlichen Dienst als noch 2010. Im Pflegedienst fand im selben Zeitraum ein Aufbau von rund 1.500 Vollzeitkräften statt. Lediglich im nicht-medizinischen Bereich stagnieren die Zahlen. Wie aus der Studie von Roland Berger hervorgeht, könnten strategische Neuausrichtungen – die entsprechend auf die einzelnen Krankenhausverbünde zugeschnitten werden müssten – langfristig eine stärkere wirtschaftliche Eigenkraft sicherstellen. Wie kann ein Krankenhaus die regionalen Gegebenheiten nutzen, um z.B. mit niedergelassenen Spezialisten zu kooperieren? Wie lassen sich die Mitarbeiter in Strategieprozesse mit echtem Mehrwert einbinden? Wann machen Bauvorhaben Sinn und wie können hier Sparpotenziale genutzt werden? Mit den richtigen Antworten auf diese Fragen können die Krankenhäuser in Bande-Württemberg die Gesundheitsversorgung verbessern und damit ein wichtiger Standortfaktor für die Region werden. Die komplette Studie finden Sie hier.

Quelle: www.rolandberger.com