H wie Hebammenreformgesetz

Das neue Hebammengesetz (HebRefG) schreibt vor, dass anstelle der dreijährigen Hebammenausbildung zum 18. Januar 2020 ein einheitliches sechs- bis achtmonatiges Studium eingeführt wird.

Quelle: KU Gesundheitsmanagement


Zusätzlich setzt es eine Fachhochschulreife als primäre Zulassungsvoraussetzung voraus. Der neue  Studiengang ist als duales Studium aufgebaut. Einerseits soll hierdurch der EU-Anforderung nach einer  wissenschaftlichen Ausbildung Rechenschaft getragen und andererseits eine noch bessere Praxisausbildung  ermöglicht werden. Die Bundesregierung hofft durch die Reform, die Attraktivität des Berufsbildes zu steigern und somit dem Hebammenmangel entgegenzuwirken. Der Bundestag sieht die  Vollakademisierung der Hebammenausbildung als alternativlos. Das Nebeneinander verschiedener  Ausbildungswege würde die Berufsgruppe spalten. Um das Berufsbild weiter zu vereinheitlichen, werden  zukünftig sowohl weibliche, als auch männliche Absolventen die Berufsbezeichnung Hebamme tragen.

Kritik an der Gesetzesreform kommt von Seiten des „German Board and College of Obstetrics and  Gynecology“ (GBCOG). In einem offenen Brief an die Bundesregierung äußerten diese ihre Zweifel  hinsichtlich der neuen Reform. Sie befürchten unter anderem, dass die Reform durch die gestiegene  Eintrittshürde die Zahl der Absolventen erheblich verringern und somit die Engpässe noch verstärken wird.  Aus Sicht des GBCOG ist eine Co-Existenz von Hebammenschulen und -studium wünschenswert, um dem  befürchteten Rückgang der Absolventen zu begegnen. Eine Akademisierung des Hebammenberufes, im Sinne der EU-Vorgabe, sei zudem nur dann vorausgesetzt, wenn eine Tätigkeit im Ausland angestrebt wird,  bemerkt das GBCOG.

Rückendeckung erhält das Gesetz vom Deutschen Hebammenverband e.V. Sie sind der Meinung, dass die  Akademisierung eine inhaltlich bessere Ausbildung und somit bessere Entwicklungschancen ermöglicht.  Dies führe unter anderem zu einem höheren Gehalt und steigere maßgeblich die Attraktivität der  Hebammenausbildung. Ein Rückgang der Bewerberzahlen ist laut des Verbands nicht zu erwarten: „In  keinem europäischen Land sind die Bewerberzahlen durch die Akademisierung der Hebammenausbildung gesunken.“ Letztlich ist der Verband der Meinung, dass die Reform die Engpässe im Kreißsaal nicht alleine  beheben könne, jedoch ein Schritt in die richtige Richtung darstelle.

Die entstehenden Kosten sind durch eine Änderung des Krankenhausfinanzierungsgesetzes geregelt. Laut des Gesetzestextes entstehen keine dauerhaften Mehrausgaben. Kurzfristige Mehrkosten entstehen vor  allem bei der Umstellung sowie dem Erfüllungsaufwand. Die Umstellungskosten – vordergründig für die  Nachbildung von praxisleitendem Personal – werden voraussichtlich einen geringen zweistelligen  Millionenbetrag über mehrere Jahre nicht überschreiten. Der Erfüllungsaufwand für die Unterhaltung der  Lehrveranstaltungen wird sich voraussichtlich auf einen zweistelligen Millionenbetrag belaufen. Dabei  werden nach dem ersten vollwirksamen Jahr Kosten von rund 30 Millionen Euro auf die Länder entfallen,  welche jährlich zu entrichten sein werden. Ob die Akademisierung der Hebammenausbildung helfen kann,  die Engpässe im Kreißsaal wirklich zu beheben, bleibt abzuwarten. Sicher ist, dass die Reform es vermag, einen einheitlichen europäischen Standard zu schaffen.

Autor: Prof. Dr. Nils Breuer, Partner Healthcare, KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, nilsbreuerNO SPAM SPAN!@kpmg.com

Quelle: KU Gesundheitsmanagement 12/2019