Gefragt mit…

Reinhard Schaffert, 55, Geschäftsführer Klinikverbund Hessen e.V.


Welche Ihrer Vorzüge werden verkannt?
Angesichts meines Körperbaus werden meine Kondition und sportlichen Fähigkeiten meist unterschätzt. Ich habe aber in meinem Leben ein paar Marathon-Läufe absolviert. Später bin ich aufs Fahrrad umgestiegen und habe in den letzten drei Jahren an der Vätterrundan teilgenommen. Das ist eine Fahrradveranstaltung über 300 km rund um den Vätternsee in Schweden. Solche Aktivitäten siehtmanmir bei meiner Figur nicht gerade an. Das ist im Grunde auch nicht wichtig, aber ein Beispiel für andere Lebensbereiche: Es kann sich lohnen, bei mir hinter den ersten äußeren Aspekt zu sehen.


Was war Ihre größte Fehlentscheidung und was haben Sie daraus gelernt?
Es gibt eigentlich keine „Fehlentscheidung“! Da die Zeit für uns Menschen (bisher jedenfalls) linear und unumkehrbar ist, können wir nie wissen, wie eine alternative Entscheidung verlaufen wäre. Deren Konsequenzen könnten ja auch noch nachteiliger sein, als die der getroffenen Entscheidung. Aber natürlich gibt es eine ganze Reihe von Entscheidungen, die anders verlaufen sind, als ich mir das ursprünglich vorgestellt habe oder die eindeutige Nachteile hatten. Und natürlich würde ich viele Dinge – beruflich und privat – mit der heutigen Erfahrung anders entscheiden. Aber ich bin da, wo ich heute stehe, und der, der ich heute bin, aufgrund der Gesamtheit meiner Entscheidungen, so wie ich sie getroffen habe. Wirklich zurücknehmen möchte ich Entscheidungen bzw.Worte oder Taten, mit denen ich andere Menschen unnötig verletzt habe.


Welches politische Projekt sollte schnell umgesetzt werden?
Endlich konsequenter Klimaschutz, auch wenn es dafür wohl bereits zu spät ist. Das ist sicherlich nur ein Beispiel von vielen notwendigen politischen Projekten, aber ein für die Menschheit essenzielles. Viele andere politische Probleme hängen daran, bis hin zu Kriegen und Migration. Im Bereich der Gesundheitspolitik gibt Gesundheitsminister Spahn ja derzeit einen hohen Takt vor. Egal wie man zu den einzelnen Maßnahmen steht, über die Geschwindigkeit der Umsetzung kann man sich hier kaum beklagen. Aber statt immer nur mehr Anforderungen und Regeln zu schaffen, müsste man im Gesundheitswesen auch mal entschlacken und gezielt Bürokratie abbauen. Ansätze wären hier Rechnungsprüfungen oder inzwischen ineffektiv gewordene Qualitätssicherungsmaßnahmen. Hier gestattenwir uns, dass erhebliche Ressourcen der Versorgung entzogenwerden. In Zeiten, in denen uns sowieso das Fachpersonal fehlt, ist das sicher nicht gut für die Versorgung.


Was ertragen Sie nur mit Humor?
Trump, Brexit, einige EU-Beschlüsse, BER, die SPD (nur als herausragendstes Beispiel von Parteien), den MDK, Polit-Talkshows (wenn ich versehentlich einschalte), Kommentare im Internet, Schlagworte wie „Digitalisierung“ – insbesondere bei den deutschen Rahmenbedingungen …, also eigentlich alles, was in der Welt um mich herum und auf der politischen Bühne so passiert. Kaum zu glauben, dass dies alles tatsächlich ernst gemeint sein soll. Leider bleibt mir das Lachen darüber manchmal im Hals stecken, weil ich viele aktuelle politische Entwicklungen und Entscheidungen als bedrohlich ansehe.


Wie können Sie am besten Stress abbauen?
Am besten ist, sich erst gar keinen Stress zu machen, z. B. in dem man manches mit Humor sieht (siehe oben). Ansonsten helfen Filme, Hörbücher, frische Luft, Sport und vor allem die Wärme und Vertrautheit im Kreise guter Freunde, insbesondere wenn sie nichts mit dem Gesundheitswesen zu tun haben.

Quelle: KU Gesundheitsmanagement  05/2019