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Deutschland braucht eigenen Reaktor


München. Zur langfristigen Sicherstellung einer flächendeckenden Versorgung der Bevölkerung mit Radionukleiden ist ein Ausbau der europäischen Produktionskapazität und –zuverlässigkeit erforderlich. Das wurde auf der 37. Jahrestagung des Berufsverbandes Deutscher Nuklearmediziner (BDN) am vergangenen Sonnabend in München gefordert.


Aktueller Anlass ist ein Versorgungsengpass vor allem mit dem Radionuklid 99mTechnetium als Tochternuklid von 99Molybdän. Die Stärkung des europäischen Versorgungsnetzes sei aber vor allem auch zur Deckung des zunehmenden Bedarfs von Ländern wichtig, die erst jetzt eine breitere Versorgung mit nuklearmedizinischer Diagnostik und Therapie anstrebten.


Die Produktion findet ausnahmslos in Forschungsreaktoren statt, die für die Materialforschung benötigt werden und von denen die meisten derzeit voneinander unkoordiniert aus unterschiedlichen Gründen heruntergefahren wurden. In Deutschland gibt es keinen solchen Reaktor. Insgesamt stehen weltweit auch nur fünf Forschungsreaktoren zur Verfügung, die in ausreichender radiochemischer Qualität Radionuklide für die medizinische Anwendung herstellen.

Es sei davon auszugehen, dass sich die notwendigen Planungs- und Aufrüstungsmaßnahmen für vorhandene Forschungsreaktoren über einen längeren Zeitraum von 4-5 Jahren erstrecken werden, erklärten Experten in einer Diskussionsrunde. Ein kompletter Neubau wäre erst nach 10 bis 15 Jahren betriebsbereit. Frankreich hat bereits mit der beschleunigten Fertigstellung eines neuen Forschungsreaktors reagiert. Ein deutscher Beitrag ist aus Sicht der Nuklearmediziner sehr wünschenswert, u.a., weil. Deutschland der größte Verbraucher an 99Mo in Europa ist.

Aufgrund der benötigten Zeitspanne für die erforderlichen Maßnahmen und aufgrund des hohen Alters der derzeitigen 99Molybdän-produzierenden Reaktoren müsse umgehend ein mittelfristiges Konzept entwickelt werden, und zwar als Kooperation von öffentlicher Hand und Industrie.