Personalmanagement

Ergebnisse des „Branchencheck Pflegekräfte“ liegen vor

Kiel. So bewerten Arbeitgeber und Mitarbeiter in Schleswig-Holstein die Fachkräftesituation in der Pflege.

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Die Ergebnisse des „Branchencheck Pflegekräfte“, den der Landespflegeausschuss, das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung und Weiterbildung SH (KoFW), die Bundesagentur für Arbeit und Verdi im vergangenen Jahr gemeinsam mit dem Wirtschafts- sowie dem Sozialministerium des Landes auf den Weg gebracht hatten, liegen nun vor.
 
An der von Prof. Dr. Björn Christensen von der Fachhochschule Kiel durchgeführten Online-Befragung beteiligten sich landesweit 249 Pflegeeinrichtungen sowie 706 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ermittelt werden sollte, wodurch sich Einrichtungen ohne Fachkräftemangel von solchen mit Fachkräftemangel bzw. solche mit eher zufriedenen Beschäftigten von solchen mit unzufriedenen Beschäftigte unterscheiden, um daraus Maßnahmen zur Fachkräftegewinnung und -bindung abzuleiten.
 
Fachkräftemangel herrscht danach in 69 Prozent der beteiligten Einrichtungen, in 31 Prozent nicht. Als zentrales Mittel gegen einen Fachkräftemangel wird die Ausbildung im eigenen Betrieb genannt (81 Prozent). Weitere wichtige Faktoren für eine ausreichende Fachkräftesituation sind eine strategische Personalentwicklung zur Gewinnung und Bindung motivierten Personals, eine gute Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln sowie Unterstützung bei der Kinderbetreuung.
 
Bei den Mitarbeitenden stehen neben einem verlässlichen Dienstplan und einer schlanken Dokumentation vor allem Aspekte der strategischen Personalentwicklung, wie eine aktive Einbindung in die Personalsuche, eine gute Einarbeitung, ein laufender Austausch zwischen Leitungsebene und Mitarbeitenden oder das Angebot einer betrieblichen Gesundheitsförderung in Zusammenhang mit der Zufriedenheit mit dem Arbeitsplatz. Eine hohe Fluktuation, ein hoher Anteil an Kolleginnen und Kollegen aus Zeitarbeitsfirmen und Überforderung zählen zu den Hauptmerkmalen einer als negativ empfundenen Arbeitsumgebung und Arbeitsbelastung. Viele Einzelaspekte können dagegen die Zufriedenheit verbessern, wie z. B. Bezahlung, vereinfachte Dokumentation, Betriebsklima, Arbeit im Team, Arbeitszeiten, Vereinbarkeit von Arbeit und Freizeit, Wertschätzung und Anerkennung von außen.
 
„Eine menschenwürdige Pflege setzt motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pflege voraus. Menschen, die mit Empathie und hoher Kompetenz den anspruchsvollen Berufsalltag in der Pflege meistern. Der Branchencheck liefert eine gute Basis, auf der die Einrichtungen aufbauen und von guten Beispielen lernen können. Gemeinsam müssen wir für die Beschäftigten, aber auch für die Pflegebedürftigen nun alles daransetzen, dass Einrichtungsleitungen, dort wo es noch nicht geschehen ist, gute Arbeitsbedingungen zur Chefsache machen und wenn erforderlich, konkrete Maßnahmen einleiten“, betont Minister Heiner Garg. „Das entbindet uns nicht von der Pflicht, auch auf Bundesebene für Verbesserungen zu kämpfen, wie etwa für eine faire Bezahlung der Pflegekräfte oder die dringende Reform der Finanzierungsgrundlagen der Pflegeversicherung und deren struktureller Weiterentwicklung.“
 
Minister Bernd Buchholz fügt hinzu: „Vor dem Hintergrund der Ergebnisse muss es jetzt gemeinsames Ziel sein, die Branche dabei zu unterstützen, Fachkräfte zu gewinnen und auf Dauer zu halten, um als Einrichtung zukunftsfähig zu bleiben. Hierfür stehen im Rahmen der Fachkräfteinitiative SH u.a. das Kompetenzzentrum für Fachkräftesicherung und Weiterbildung sowie die Beratungsnetzwerke Fachkräftesicherung und Weiterbildung mit ihrer Expertise zur Verfügung.“
 
Zu den Ergebnissen wurde im Landespflegeausschuss verabredet, die Ergebnisse und „Best Practice“-Beispiele im Rahmen einer Fachveranstaltung einer breiten Fachöffentlichkeit vorzustellen. Auch ein „Runder Tisch“ ist geplant. Daran sollen die Leitungen und Mitarbeitenden aus den Einrichtungen mit wenig Personalproblemen teilnehmen, die bereits an der Erarbeitung des Fragebogens mitgewirkt hatten, um konkrete Handlungsstrategien abzuleiten.

Quelle: www.schleswig-holstein.de/sozialministerium