Kurz erklärt

X wie EXpertenstandard

Expertenstandards nach § 113a SGB XI sind evidenzbasierte Qualitätsinstrumente, die zur Sicherung und Weiterentwicklung der Qualität in der Pflege dienen sollen.


Expertenstandards analysieren fachwissenschaftliche Hintergründe zu zentralen Pflegethemen und konsolidieren diese in Form von konkreten Handlungs- und Qualitätsvorgaben. Sie stellen somit das Pendant zu medizinischen Leitlinien dar.

Mit dem im Jahr 2008 in Kraft getretenen Pflege-Weiterentwicklungsgesetz (PfWG) wurden Expertenstandards zu gesetzlich vorgeschriebenen Instrumenten zur Sicherung sowie Weiterentwicklung der Qualität in der Pflege im Rahmen der Pflegeversicherung geschaffen. Seit Verabschiedung des PfWG sind Expertenstandards für zugelassene Pflegeeinrichtungen als verpflichtend anzusehen. Zudem hat der Gesetzgeber die Aufgabe der Entwicklung sowie Aktualisierung von Expertenstandards den Vertretern der Pflegekassen und Pflegeeinrichtungen übertragen. Im Rahmen der Konzertierung der verschiedenen Expertenstandards übernehmen Pflegebedürftigenvertreter eine beratende Stellung.

Die Entwicklung der Expertenstandards wird seit dem Jahr 1999 durch das Deutsche Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) in Kooperation mit dem Deutschen Pflegerat (DPR) übernommen. Personen aus der Pflegepraxis, dem Pflegemanagement und der Pflegewissenschaft, die sich mit dem Thema Qualitätsentwicklung auseinandersetzen, haben sich im DNQP zusammengeschlossen. Die Zielsetzung des DNQP ist die Förderung der Pflegequalität auf Basis der Expertenstandards in allen Einsatzfeldern der Pflege.

Die Expertenstandards werden im Rahmen eines dreistufigen Verfahrens entwickelt und implementiert. Zu Beginn wird eine Expertengruppe aus etwa 15 Personen konstituiert, die für die Entwicklung eines Expertenstandard-Entwurfs zuständig ist. Die Gruppe setzt sich aus Fachwissenschaftlern, Praktikern und Experten für Patientensicherheit zusammen. Im zweiten Schritt des Verfahrens, der Konsentierung, erfolgt ein strukturierter Fachdiskurs mit einer breiten Fachöffentlichkeit über den Expertenstandard-Entwurf. Nach Einarbeitung aller notwendigen Änderungen wird der jeweilige Expertenstandard vom DNQP veröffentlicht. Im Anschluss an die Konsentierung und Veröffentlichung des jeweiligen Expertenstandards erfolgt eine modellhafte Implementierung in circa 25 unterschiedlichen Pflege- und Gesundheitseinrichtungen, um die Akzeptanz sowie Praxistauglichkeit des Expertenstandards zu überprüfen. Der Prozess der Entwicklung und Implementierung der Expertenstandards endet mit einer Auswertung der Implementierungsergebnisse, der Einarbeitung von Anpassungen und der anschließenden Veröffentlichung des Expertenstandards.

Derzeit liegen folgende Expertenstandards vor:

• Dekubitusprophylaxe in der Pflege
• Entlassungsmanagement in der Pflege
• Schmerzmanagement in der Pflege bei akuten Schmerzen
• Schmerzmanagement in der Pflege bei chronischen Schmerzen
• Sturzprophylaxe in der Pflege
• Förderung der Harnkontinenz in der Pflege
• Pflege von Menschen mit chronischen Wunden
• Ernährungsmanagement zur Sicherung und Förderung der oralen Ernährung in der Pflege

Neben der Entwicklung und Implementierung der Expertenstandards ist das DNQP ebenfalls für die Aktualisierung der verschiedenen Expertenstandards zuständig. Im zeitlichen Abstand von fünf Jahren werden die Expertenstandards durch neue Expertengruppen überarbeitet und aktualisiert. Bisher wurden sieben Aktualisierungen der bestehenden Expertenstandards durchgeführt.

Mit Beginn der zweiten Aktualisierung der bisherigen Standards sollen evidenzbasierte Qualitätsindikatoren entwickelt werden, die auf den Expertenstandards basieren. Das prioritäre Ziel der Entwicklung von Qualitätsindikatoren auf Basis der Expertenstandards ist die Qualitätssteuerung im Rahmen des internen Qualitätsmanagements. Im Zuge der weiteren Aktualisierungen der Expertenstandards wird zu prüfen sein, ob die Indikatoren die Qualitätsentwicklung in eine gewünschte Richtung stimulieren oder zu Fehlanreizen führen.


Autor: Prof. Dr. Nils Breuer, KMPG KG
Quelle: KU Gesundheitsmanagement 2/2019