Kurz erklärt

R wie Rentabilitätskennzahlen

Spätestens nachdem die Fallpauschalen eingeführt wurden und eine angespannte Investitionsförderung herrscht, wird auch bei Krankenhausträgern die Rentabilität als Erfolgskriterium immer wichtiger. Rentabilitätskennzahlen stellen dabei wichtige Instrumente zur Bewertung eines Krankenhauses dar.


Für am freien Markt agierende Unternehmen stellt schon immer die Gewinnmaximierung das zentrale Geschäftsziel dar. Spätestens seit der Einführung der Fallpauschalen und einer manifestierten angespannten Investitionsförderung wird auch bei Krankenhausträgern die Rentabilität als zentrales Erfolgskriterium gesehen. Rentabilitätskennzahlen stellen wichtige Instrumente zur Bewertung eines Krankenhauses dar. Vereinfacht ausgedrückt: Je höher der Gewinn und je niedriger das dafür eingesetzte Kapital, umso rentabler wirtschaftet ein Krankenhaus.

Umsatzrentabilität

Die Umsatzrentabilität ist eine der aussagefähigsten hoch aggregierten Kennzahlen zur Analyse der Wirtschaftlichkeit eines Krankenhauses. Eine überdurchschnittlich hohe Umsatzrentabilität zeigt an, dass entweder die erzielten Erlöse für die erbrachten Leistungen überdurchschnittlich sind oder die hierfür erforderlichen Produktionsfaktoren überdurchschnittlich effizient eingesetzt werden. Die Umsatzrentabilität wird wesentlich beeinflusst durch die Erlössituation des Krankenhauses, die Personal- und Sachkosten sowie die Auslastung der vorhandenen Kapazitäten. Für das Jahr 2015 konnte die KPMG Datenbank Krankenhaus 300® im Durchschnitt aller betrachteten Krankenhäuser eine Umsatzrentabilität von rund 1,72 Prozent ermitteln – dies stellt eine leichte Verbesserung zu den Vorjahresergebnissen dar. Die Umsatzrentabilität ist das Ergebnis von Jahresergebnis geteilt durch Umsatzerlöse.

Eigenkapitalrentabilität

Für Krankenhausträger, insbesondere aber für Anteilseigner kapitalmarktorientierter Krankenhausunternehmen, stellt die Eigenkapitalrentabilität eine weitere wichtige Kennzahl dar. Sie gibt an, wie hoch die Verzinsung des Eigenkapitals ist. Anleger können diese Verzinsung mit alternativen Investitionen am Kapitalmarkt vergleichen, um anschließend ihre Investitionsentscheidung zu treffen. Dadurch hat die Höhe der Eigenkapitalrentabilität auch einen Einfluss auf die Kapitalbeschaffung des Krankenhauses.

Für das Jahr 2015 lag laut KPMG Datenbank Krankenhaus 300® die Eigenkapitalrentabilität im Durchschnitt aller betrachteten Krankenhäuser bei 8,15 Prozent – ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren. Dieser Anstieg ist stark von der gestiegenen Eigenkapitalrentabilität der privaten Träger (17,96 Prozent in 2015) beeinflusst; der Durchschnitt der öffentlichen Träger lag bei 3,52 Prozent. Bei einer derart niedrigen Eigenkapitalverzinsung von weniger als 4 Prozent würde kaum ein Investor Eigenkapital bereitstellen. Die Eigenkapitalrentabilität ist das Ergebnis von Jahresergebnis geteilt durch Eigenkapital.

Gesamtkapitalrentabilität

Für alle Kapitalgeber bedeutsam ist die Gesamtkapitalrentabilität. Zusätzlich zur Verzinsung des Eigenkapitals fließt auch der Zinsaufwand des Fremdkapitalsmit ein. Die Gesamtkapitalrentabilität ist im Gegensatz zur Eigenkapitalrentabilität ein zuverlässigerer Indikator zur Messung der Ertragskraft im zwischenbetrieblichen Vergleich. Das liegt daran, dass die Gesamtkapitalrentabilität unabhängig vom Verschuldungsgrad die Ertragskraft des Unternehmens abbildet. Während sich die Eigenkapitalrentabilität durch die Aufnahme von Fremdkapital verändert und somit unter Umständen verzerrt wird, bleibt die Gesamtrentabilität unverändert. Die Gesamtrentabilität lag gemäß KPMG Datenbank Krankenhaus 300® im Durchschnitt bei 2,23 Prozent im Jahr 2015. Die Gesamtkapitalrentabilität ist das Ergebnis von (Jahresergebnis + Fremdkapitalzinsen) geteilt durch Gesamtkapital.

Autor: Kevin Pfaffner, Sector Manager, KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
Quelle: KU Gesundheitsmanagement 8/2018