Kurz erklärt

O wie Online-Apotheke

Bei Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker. Wenn Patienten ein apothekenpflichtiges Arzneimittel benötigen, erhalten sie vom fachkundigen Personal alle notwendigen Informationen über die sachgerechte Anwendung, eventuell auftretende Neben- und Wechselwirkungen sowie über die Aufbewahrung eines Arzneimittels. Zu dieser individuellen Beratung ist das Apothekenpersonal bei der Abgabe von Arzneimitteln verpflichtet.


Dieses traditionelle Modell der „Apotheke vor Ort“ könnte sich bald aber ändern. Wie fast alle Branchen – und auch zunehmend der deutsche Gesundheitsmarkt – durchlebt der Handel von Medikamenten einen digitalen Veränderungsprozess. Dabei ist der Arzneimittelversandhandel in Deutschland bereits seit Januar 2004 zugelassen. Im Vergleich zu den stationären Apotheken gestaltet sich die individuelle Beratung der Patienten in der Apotheke jedoch um einiges schwieriger. Zukünftig könnte der Gesetzgeber den Versandhandel zusätzlich erschweren.

Voraussetzungen für den Online-Handel

Sowohl die rechtlichen als auch die organisatorischen Anforderungen von klassischen Apotheken gelten
für den Online-Handel in gleicher Weise. Zudemsieht der Gesetzgeber vor, dass es keine reinen Versandapotheken geben soll: Der Versand muss also über den Betrieb einer stationären Apotheke erfolgen. Bei den von den jeweiligen Landesbehörden zugelassenen Online- bzw. Versandapotheken kann der Patient Arzneimittel per Post, telefonisch oder online bestellen. Für den Erhalt von verschreibungspflichtigen Medikamenten setzt der Gesetzgeber zudem voraus, dass die Versandapotheke das Originalrezept für das Arzneimittel im Voraus erhält. Außerdem dürfen ausschließlich Arzneimittel versendet werden, die in Deutschland zugelassen sind, in deutscher Sprache gekennzeichnet und mit einer Packungsbeilage in deutscher Sprache versehenen sind.

Geringer Anteil am Gesamtumsatz des Marktes

Der aktuelle Marktanteil der Online-Apotheken in Deutschland ist laut einer Statista-Studie aus dem Jahr 2017 relativ gering: Die zehn führenden Anbieter haben demnach einen Anteil von bloß zwei Prozent am Gesamtumsatz des Arzneimittelmarktes. Und dennoch nimmt die Bedeutung für Konsumenten zu: So gab jeder zweite Befragte in der Studie an, bereits bei einer Online-Apotheke Arzneimittel gekauft zu haben. Nur 23 Prozent der Befragten schließen den Kauf von Arzneimitteln im Internet grundsätzlich aus. Dabei werde das Angebot der Online-Apotheken am häufigsten von den Patienten im Alter von 30 bis 59 Jahren in Anspruch genommen.

Online-Apotheken schneiden aktuell eher schlecht ab

Ein Testergebnis der Stiftung Warentest im April 2018 fällt für die Bewertung der Online-Apotheken
vor allem in der Kategorie der fachlichen Beratung eher schlecht aus. Kritisiert wurde unter anderem,
dass viele Patienten der Online-Apotheken nicht ausreichend über die Wechselwirkungen der Arzneimittel
informiert werden. Auch die Bundesregierung reagiert auf diese Entwicklung im aktuellen Koalitionsvertrag
(2018). Dazu heißt es: „Um die Apotheken vor Ort zu stärken, setzen wir uns für ein Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln ein.“ Fraglich ist, inwiefern eine solche grundsätzliche Einschränkung des Online-Handels von Arzneimitteln den langersehnten digitalen Wandel des Gesundheitswesens vorantreiben soll.

Autorin: Julia Kaub, Senior Managerin, KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft