Z wie Zwangsimpfungen

Gegenwärtig gibt es in Deutschland keine gesetzliche Pflicht zur Durchführung von Impfungen. Jedoch hat in den vergangenen Monaten die Diskussion erneut Fahrt aufgenommen.


Das Thema der Zwangsimpfungen beziehungsweise Impfpflichten findet sich in regelmäßigen Abständen in der gesundheitspolitischen Debatte wieder. Dabei handelt es sich um ein stark emotional belegtes Thema mit lautstarken Befürwortern aber auch Gegnern. Erst kürzlich hat die Weltgesundheitsorganisation WHO mangelnde Impfbereitschaft zu einem der größten Gesundheitsrisiken erklärt. Deutschland wurde im vergangenen Jahr von einer Masernepidemie heimgesucht, gegen die es eigentlich einen wirksamen Impfstoff gibt. Im Anschluss forderte beispielsweise der SPD-Gesundheitspolitiker Prof. Dr. Karl Lauterbach die Impfpflicht. Doch um was es sich genau bei einer Impfpflicht handelt und ob sie wirklich zielgerichtet helfen kann, ist selten Gegenstand der öffentlichen Diskussion.

Was ist die Impfpflicht?

Bei einer Impfpflicht werden vom Gesetzgeber bestimmte Schutzimpfungen vorgegeben. In der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland hat es bisher lediglich eine Impfpflicht gegen Pocken gegeben, die jedoch nur bis in die 1980er Jahre bestand. International ist ein Trend zur Impfpflicht zu beobachten. So haben unsere direkten Nachbarn Tschechien, Frankreich und Belgien Impfpflichten für unterschiedliche Krankheitsbilder eingeführt. Häufig handelt es sich dabei um indirekte Zwangsimpfungen, bei denen beispielsweise Kinder nur in Kindergärten oder anderen öffentlichen Einrichtungen betreut werden, wenn sie die geforderten Impfungen nachweisen können. Italien ist hier jüngst noch einen Schritt weitergegangen und hat Bußgelder für mangelnden Impfschutz angedroht.

Warum wird die Impfpflicht immer wieder gefordert?

In ihrem Bericht hat die WHO kürzlich angegeben, dass jährlich rund zwei bis drei Millionen Todesfälle durch Impfungen vermieden werden können. Das ist allerdings nicht das Ende der Fahnenstange, denn weitere 1,5 Millionen Tote könnten gegebenenfalls durch eine höhere Impfquote vermieden werden. Das Problem liegt allerdings nicht nur in schwer zu beschaffenden Impfstoffen in einigen Regionen der Welt, sondern häufig in der Nachlässigkeit oder dem mangelnden Vertrauen der Bevölkerung in den entwickelten Ländern. Das Problem an mangelnder Impfbereitschaft lässt sich auch daher erklären, dass viele Menschen manche ansteckende Krankheiten nicht mehr kennen und demzufolge keine Notwendigkeit der Impfung sehen. Deshalb fordert der deutsche Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte seit Langem Zwangsimpfungen, zum Beispiel gegen Masern. Denn nur so ließen sich Infektionskrankheiten eindämmen.

Sind Zwangsimpfungen der richtige Weg?

Auch die Gegner von verpflichtenden Impfmaßnahmen äußern sich regelmäßig zu dem Thema. Der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), das für die Krankheitsüberwachung und -prävention in Deutschland zuständig ist, lehnt Zwangsimpfungen ab, da diese den sachlichen Grund der Impfung verdrängen könnten und die Bereitschaft für andere freiwillige Impfungen senken würden. Zudem handelt es sich bei der Einführung von Zwangsimpfungen häufig um eine politische Entscheidung, die sich entgegen dem medizinischen Hintergrund der Impfung bei neuen Koalitionszusammensetzungen schnell wieder ändern kann. Vielmehr soll laut dem RKI auf eine verbesserte Aufklärung gesetzt werden. Denn größtmögliche Transparenz nimmt die Angst der Bevölkerung aufgrund teils abstrusen Gerüchten und Bedenken. Dieses Vorgehen hat beispielsweise in den Niederlanden deutlich höhere Impfraten zur Folge. Als Ergebnis eines jüngst vergangenen Diskurses wurden in Deutschland im Jahr 2015 Kompromisse gefunden. Demnach müssen Eltern bei der Anmeldung ihrer Kinder zur Kindertagesstätte eine Impfberatung nachweisen. Auch Ärzten und anderen Leistungserbringern kommt somit im Zuge der Gesundheitsprävention die Aufgabe zu, kontinuierlich zu erinnern und proaktiv Aufklärung zu betreiben.

 

Autor: Stefan Friedrich, Partner, KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Hamburg, sfriedrich@kpmg.com

Quelle: KU Gesundheitsmanagement 4/2019