Y wie Young Professionals

Der Begriff „Young Professionals“ ist nicht geschützt und somit finden sich verschiedene Definitionen, was genau unter dieser englischen Bezeichnung zu verstehen ist.


Allen Definitionen ist gemein, dass es sich um junge Leute handelt, die bereits über Berufserfahrung verfügen und Potenzial für spätere Führungsaufgaben aufweisen. Bezogen auf ein Krankenhaus gibt es Young Professionals sowohl im medizinischen und pflegerischen Bereich als auch in der Verwaltung.

Was kennzeichnet einen Young Professional im Krankenhaus?

Durch die verschiedensten Branchen hinweg gibt es einige essenzielle Eigenschaften, die man erfüllen sollte, um als Young Professional zu gelten. An erster Stelle sind die Noten im Studium zu nennen, die (deutlich) über dem Durchschnitt liegen sollten. Dazu gehört in der heutigen Zeit ein Studiensemester und/oder ein Praktikum im Ausland. Beides lässt auf Selbstständigkeit, interkulturelle Kompetenzen und gute Sprachkenntnisse schließen. Von herausragender Bedeutung, um als Young Professional begehrt zu sein, ist die Berufserfahrung. Diese kann im Rahmen von Praktika, studienbegleitenden Jobs, Famulaturen oder auch dem praktischen Jahr in einer Klinik erlangt werden. Wichtig ist, dass diese Stationen mit Aufgaben verbunden waren, in welchen der Young Professional sein Potenzial voll ausschöpfen und etwas bewegen konnte. Zu guter Letzt gilt es, ein umfangreiches Portfolio an Soft Skills zu besitzen sowie die Kompetenz und Motivation, diese stetig auszubauen. Die Stichworte hier lauten: Teamfähigkeit, Ehrgeiz, Überzeugungsfähigkeit, Empathie, Lernbereitschaft und -fähigkeit.

Welche Erwartungen hat ein Young Professional an seinen Arbeitgeber?

Wichtig sind Young Professionals vor allem Weiterbildungsangebote sowohl im Unternehmen selbst als auch außerhalb des Unternehmens mit einhergehenden stetigen Entwicklungsmöglichkeiten. Um diese voranzutreiben, ist insbesondere ein regelmäßiges Feedback entscheidend. Für Young Professionals hat Wertschätzung eine große Bedeutung und zeitgleich fordern sie auch angemessene Kritik im Sinne von Empfehlungen zur fachlichen und persönlichen Weiterentwicklung ein. Diese „neue“ junge Generation strebt nach flexibleren Arbeitszeiten, einer tatsächlichen Work-Life-Balance und einer zunehmenden Selbstverwirklichung im Beruf.

Praxis-Tipps

Was kann also tatsächlich schnell und einfach getan werden, um die Arbeitsbedingungen attraktiver zu machen und den Anforderungen trotz langjährig bestehender Arbeitsstrukturen gerecht zu werden? Lediglich die Schlagworte Work-Life Balance und flexible Arbeitszeiten anzubringen, reicht bei Weitem nicht (mehr) aus.

Viele Krankenhäuser sind immer noch in ihren alten hierarchischen und eher steifen Mustern gefangen, die für die junge Generation nicht immer ansprechend sind. So kennt wohl jedes Krankenhaus den Satz „Das haben wir aber schon immer so gemacht“ zur Genüge. Genau diese Floskeln sind jedoch nicht gewünscht und erwecken den Eindruck, dass das Potenzial und die Erwartungshaltung der Young Professionals nicht oder nicht vollständig entfaltet und bedient werden können. Folgende Maßnahmen sind geeignet, junge Ärzte, Pflegekräfte oder auch Mitarbeiter aus der Verwaltung richtig und wertbringend für das Unternehmen einzusetzen:

  • Einbindung in Projekte und Übertragung von mehr Verantwortung

  • Möglichkeiten schaffen, damit sich die Mitarbeiter entfalten können und neue Impulse setzen, um beispielsweise dem raschen technologischen Wandel gemeinsam begegnen zu können

  • Ausreichend Zeit und Raum für regelmäßiges Feedback ermöglichen

  • Gezielte Personalentwicklung und gemeinsame Schärfung des beruflichen Profils durch geeignete sowie frühzeitige Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten

  • Implementierung innovativer Modelle zur Hospitation oder zum rollierenden Arbeitsplatzwechsel, um die Motivation der Mitarbeiter durch ausreichend Abwechslung und neue Herausforderungen zu steigern

Sowohl dem Unternehmen als auch den Mitarbeitern wird es helfen, Entwicklungen voranzutreiben, denn es lockt ein doppelter Benefit: eine Neudefinition von Selbstbild und Aufgaben im Unternehmen sowie eine zufriedene und motivierte Generation von Young Professionals.


Autor: Julia Kaub, KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, jkaubNO SPAM SPAN!@kpmg.com

Quelle: KU - Gesundheitsmanagement 3/2019