Wie sinnvoll sind Personaluntergrenzen in der Pflege?

Nürnberg. Ab dem 1. Januar 2019 gelten für einige Bereiche in den Krankenhäusern Personaluntergrenzen in der Pflege.

Quelle: www.klinikum-nuernberg.de


Immer ältere Patienten mit immer mehr Erkrankungen und immer mehr Patienten in immer kürzerer Zeit mit dem gleichen Personal – die Herausforderungen für die Pflege und die Arbeitsverdichtung sind in den letzten Jahren gerade im Krankenhausbereich gestiegen. Gleichzeitig wächst der Dokumentationsaufwand und die verbleibende Zeit für Zuwendung nimmt ab. Nur 30 bis 40 Prozent der pflegerischen Tätigkeiten erfolgen heutzutage im direkten Kontakt mit den Patienten.

Demensprechend schlecht ist die Stimmung unter den Pflegenden in Deutschland, dies belegen Zahlen des CARE Klima-Index 2017 eindrücklich. „91 Prozent der professionell Pflegenden fühlen sich von der Politik im Stich gelassen“, zitiert Jitka Schwandt, Leiterin des Centrums für Kommunikation, Information und Bildung (cekib) im Klinikum Nürnberg, aus der Studie. Als großes Manko werde die personelle Ausstattung in der Pflege bewertet: 80 Prozent der Pflegenden empfinden sie als nicht ausreichend, ebenso 72 Prozent der Ärzte.

Die Stimmung ist inzwischen auch in der Politik angekommen. „Die Politik setzt sich stark für Verbesserungen in der Pflege ein, und zwar quer durch alle politischen Lager“, betont Josef Hug, Pflegedirektor und Prokurist im Klinikum Karlsruhe, Pflegemanager des Jahres 2017 und Mitglied der Verhandlungskommission zu Personaluntergrenzen in der Pflege.

 "Die Pflegeuntergrenzen ziehen ein rote Linie"

Um das Problem der Personalausstattung in den Krankenhäusern in den Griff zu bekommen, hat der Gesetzgeber den Krankenhäusern und den Krankenkassen vorgegeben, Personaluntergrenzen in der Pflege auszuhandeln. Hug begrüßt die Untergrenzen, die ab dem 1.1.2019 zunächst für die pflegeintensiven Bereiche Geriatrie, Herzchirurgie, Unfallchirurgie, Kardiologie, Neurologie und Intensivmedizin gelten sollen. „Die Pflegeuntergrenzen ziehen eine rote Linie, die kein Krankenhaus mehr unterschreiten sollte.“ Das Gesetz werde die Kliniken treffen, die in den letzten Jahren massiv Pflegekräfte abgebaut haben. Abweichungen davon müssen im Qualitätsbericht ausgewiesen werden.

Die genauen Zahlen zum geforderten Personalschlüssel werden zwar erst im September vorliegen, doch im Klinikum Nürnberg sieht man die Personaluntergrenzen gelassen. „Das Klinikum Nürnberg zählt, wie das Klinikum Karlsruhe auch, zu den Krankenhäusern, die einen überdurchschnittlichen Personalschlüssel in der Pflege aufweisen“, berichtet Peter Schuh, Vorstand des Klinikums Nürnberg für Personal und Patientenversorgung. 3.000 Pflegende (oder 2.584 Vollzeitstellen) kümmern sich um über 100.000 stationäre Patienten im Jahr.

Trotzdem sieht Schuh die Untergrenzen mit einer gewissen Vorsicht. „Ich hoffe, dass bei den Pflegesatzverhandlungen mit den Krankenkassen die Personaluntergrenzen nicht zum Maßstab werden“, sagt er. Allerdings, da sind sich Schuh und Hug einig, könne kein Krankenhaus auf der Basis der Personaluntergrenzen handeln: „Es würde innerhalb von 14 Tagen kollabieren.“

Pflegeberuf muss attraktiver werden

In Deutschland betreut eine Pflegekraft durchschnittlich bis zu 12 Patienten pro Schicht, in Staaten wie Norwegen oder den Niederlanden sind es mit 6 bis 7 Patienten deutlich weniger, allerdings bei einem breiteren Aufgabenspektrum der Pflegenden. Ein verbesserter Personalschlüssel allein ist angesichts des Fachkräftemangels allerdings keine Lösung, die Stellen müssen ja auch mit qualifizierten Pflegekräften besetzt werden können.

Deshalb müsse die Attraktivität des Pflegeberufs deutlich erhöht werden, und dabei gehe es nicht allein ums Geld. „Die Pflege muss entlastet werden, um sich auf genuin pflegerische Aufgaben konzentrieren zu können“, so Hug. Welche Tätigkeiten als pflegerische Aufgaben zu definieren sind und welche Tätigkeiten an andere Berufsgruppen delegiert werden können, dies müsse in kommenden Gesprächen geklärt werden. Hier zeigt sich der Pflegemanager des Jahres 2017 zuversichtlich. „Anders als in den letzten 20 Jahren wird über die Probleme in der Pflege wieder gesprochen und nach Lösungen gesucht.“

Quelle: www.klinikum-nuernberg.de