VKD-Mitgliederbefragung 2017: Wir brauchen eine echte Trendumkehr

Berlin. Eine stabile Zukunftsperspektive für die Kliniken ist auch in diesem Jahr nicht erkennbar. Dies ergab die VKD-Mitgliederbefragung 2017. Gefragt wurde nach der aktuellen Finanzlage der Häuser, der Organisation der ambulanten Notfallversorgung sowie dem Grad der Digitalisierung.


Finanzlage nur vorübergehend entspannt

Je nach Art des Krankenhauses hatte sich die kritische Finanzlage der Klinken in den letzten Jahren etwas entspannt. Hatten 2014 noch rund 35 Prozent der Allgemeinkrankenhäuser das Wirtschaftsjahr mit roten Zahlen abschlossen, waren es 2016 etwa 23 Prozent. Bei den Fachkrankenhäusern hat sich dieser Anteil sogar von 27 Prozent auf 13 Prozent halbiert. Bei den Universitätskliniken gab es allerdings nur eine leichte Verbesserung. 2014 schrieben 42 Prozent rote Zahlen. 2016 waren es immer noch rund 33 Prozent.

 

Dies stellt leider keine Trendumkehr dar, wie die Befragung vom Juli bis August ergab. Für 2017 erwarteten die Befragten in den Planansätzen wieder eine Verschlechterung. Über 27 Prozent der Manager von Allgemeinkrankenhäusern gingen davon aus. Die Universitätskliniken planten laut Umfrage zu mehr als einem Drittel mit einem negativen Jahresergebnis. Selbst die Fachkrankenhäuser, psychiatrischen Kliniken und Rehakliniken gingen Mitte des Jahres von schlechteren Ergebnissen zum Jahresende aus.

 

Um das zu überprüfen, wurden im Oktober und November speziell dazu die Mitglieder des VKD nochmals befragt. Dieses Mal unterschieden sich die Ergebnisse deutlich zwischen Akut- und Universitätskliniken auf der einen Seite sowie Rehakliniken und Psychiatrischen Häusern auf der anderen. Letztere gingen im Durchschnitt von besseren Ergebnissen aus als noch im Sommer. Die anderen jedoch zeigten in der Hochrechnung 2017 eine deutliche Verschlechterung gegenüber der Befragung von Juli bis August. Die Anteile der Häuser, in denen das Management nun mit roten Zahlen für 2017 rechnete, lagen für die Allgemeinkrankenhäusern bei 46,3 Prozent, bei den Fachkrankenhäusern bei 26,7 Prozent und bei den Universitätskliniken bei 40 Prozent. Insgesamt rechneten 38,9 Prozent der Befragten zum Jahresende mit roten Zahlen.

 

„Aufgrund dieser Ergebnisse gehen wir davon aus, dass viele Häuser an die tendenziell besseren Ergebnisse des Jahres 2016 nicht anknüpfen können“, konstatiert VKD-Präsident Dr. Josef Düllings.

 

DRG-System ist zu durchschnittlich

Erneut stellte sich in der Umfrage heraus, dass bei der Umsatzrentabilität auch die Größe eines Krankenhauses eine wichtige Rolle spielt. Insbesondere Häuser unter 250 Betten wiesen mit 33,8 Prozent ähnlich hohe Defizite aus, wie die Universitätskliniken mit 33,3 Prozent. Am besten geht es noch den Krankenhäusern in den mittleren Größenklassen, von 250 bis unter 400 Betten und von 400 bis unter 800 Betten, von denen 23,3 Prozent bzw. 16,1 Prozent in roten Zahlen stecken (Jahresabschluss 2016). Aber auch hier steigen, wie die Wirtschaftspläne für 2017 zeigten, die Häuser mit voraussichtlichen Defiziten auf 25,4 bzw. 28,4 Prozent.

 

Dr. Düllings dazu: „Wir müssen erneut feststellen, dass insbesondere kleinere Krankenhäuser und Universitätsklinika mit dem DRG-System nicht zurechtkommen. Der Grund ist die Durchschnittskalkulation der Preise. Das System führt zu einer Umverteilung der Finanzmittel von den Rändern zur Mitte. Es ist also keinesfalls leistungsgerecht. Ein Durchschnittssystem befördert, klar gesagt, Durchschnittsmedizin. Das sagt unser Verband bereits seit mehreren Jahren. Die Kollateralschäden liegen offen zutage.“

 

Die Politik müsse zwingend neue Antworten auf die Versorgungsfragen insbesondere für die ländlichen Regionen, aber auch für die Hochleistungsmedizin, geben.

 

Investitionslücke - schwarze Null reicht nicht

Allseits bekannt sind die Folgen der jahrelangen Unterfinanzierung von Investitionen. Die Deckungslücke beträgt inzwischen 3,7 Milliarden Euro im Jahr. Eine schwarze Null im Betriebsergebnis reicht für ein Krankenhaus daher längst nicht mehr aus. Nach Expertenmeinungen muss eine Umsatzrentabilität von mindestens vier Prozent erreicht werden, um die vorhandene Infrastruktur des Krankenhauses aus eigener Kraft zu erhalten.

 

Der Anteil der Allgemeinkrankenhäuser mit einer Umsatzrentabilität von über vier Prozent war auch im „guten“ Jahr 2016 mit acht Prozent viel zu niedrig. Nur eines von zehn Krankenhäusern in Deutschland kann seine Zukunft aus eigener Kraft sichern. Dieses zentrale Ergebnis hat sich bereits in den Mitgliederumfragen früherer Jahre gezeigt. Es hat sich nichts verbessert. „Hier muss bei den für die Investitionen zuständigen Ländern endlich Gesetzestreue einziehen. Anders ist das Problem nicht in den Griff zu bekommen“, so der VKD-Präsident.

 

Ambulante Notfallversorgung

Aufgrund der aktuellen und drängenden Probleme in der ambulanten Notfallversorgung wurden die Mitglieder auch dazu befragt. Dabei ging es nicht nur um die klinikeigene Notaufnahme, sondern um die Versorgung im Einzugsgebiet insgesamt. Zwischen 52 und 83 Prozent der Krankenhäuser verwiesen für ihr Einzugsgebiet auch auf die Existenz einer Zentralen Notfallambulanz der Kassenärztlichen Vereinigung (KV). Über eine KV-Notfallambulanz am eigenen Krankenhaus verfügten bei den Allgemeinkrankenhäusern 61 Prozent, bei den Uniklinika 40 Prozent. Unterschiede gab es bei den Allgemeinkrankenhäusern einschließlich der Uniklinika je nach Größe. Auffällig: Im Einzugsgebiet von 18,5 Prozent der kleinen Kliniken unter 250 Betten ist überhaupt kein KV-Notdienst verfügbar. Das könnte darauf hindeuten, dass die ambulante Notfallversorgung im Einzugsgebiet von kleineren Kliniken eher selbst übernommen werden muss und diese Krankenhäuser dadurch erheblich belastet sind.

Wie sieht es mit den Notaufnahmen der Krankenhäuser selbst aus? Unterschieden nach Bettengrößenklassen betrieben 97 Prozent der Allgemeinkrankenhäusern incl. Uniklinika ohne Fachkliniken (n = 230) eine Notaufnahme, in 88 Prozent der Fälle handelte es sich um eine zentrale Notaufnahme (n = 202). Nur 8,5 Prozent verfügten über dezentrale Notaufnahmen.

 

Darin, wie auch in den je nach Bedarf unterschiedlichen Organisationsformen der Notaufnahmen, zeigt sich ein hoher Organisationsgrad. Der VKD plädiert angesichts der strukturellen und fachlichen Möglichkeiten im Krankenhaus gegenüber dem niedergelassenen Bereich dafür, den Sicherstellungsauftrag für die ambulante Notfallversorgung – ähnlich wie für die stationäre Versorgung – je nach Notwendigkeit dem jeweiligen Krankenhaus vor Ort zu übertragen. Eine Neuverteilung der ambulant-fachärztlichen Leistungserbringung muss mit einer leistungsgerechten Vergütung gekoppelt werden. Das würde zu einer wesentlich patientenfreundlicheren Notfallversorgung führen, als sie heute von Patientinnen und Patienten erlebt wird.

 

Digitalisierung – wie weit sind wir?

Bereits seit 2013 wirbt der VKD für einen beschleunigten Aufbau der digitalen Infrastruktur der Krankenhäuser als öffentliche Aufgabe. Dass diese von den Kliniken allein nicht zu finanzieren ist, zeigten auch die Ergebnisse der Umfrage.

 

Wie weit sind die Krankenhäuser mit dem Einsatz digitaler Patientenakten ohne diese öffentliche Förderung dennoch gekommen? Der Anteil vollständig digitalisierter Kliniken liegt auf sehr niedrigem Niveau – auch im internationalen Vergleich. Das betrifft insbesondere die Allgemeinkrankenhäuser (5 Prozent), Fachkrankenhäuser (8 Prozent) und Universitätskliniken (6 Prozent). Etwas besser sieht es bei den Psychiatrischen Krankenhäusern und Rehakliniken aus, die in 40 Prozent bzw. 21 Prozent der Kliniken über eine vollständige Digitalisierung verfügen.

 

Am höchsten ist der Prozentsatz der Krankenhäuser, die ein digitales Archiv einsetzen (36 Prozent).

Eine weitere Frage war, für welche Bereiche ihrer Häuser die Klinikmanager bei einer vollständigen Digitalisierung am ehesten Effizienzsteigerungen erwarten.

 

An erster Stelle standen bei 18,6 Prozent der Befragten die „Medizinischen Abteilungen“. Diesen gaben die „Vorreiter“, die Psychiatrischen Krankenhäuser und Rehakliniken, sogar eine noch höhere Priorität bei 21 Prozent bzw. 23 Prozent der Befragten.

Auf Rang 2 folgten die „Funktionsbereiche und Labor“ (16 Prozent). Die „Schnittstellen der Radiologie“ kamen mit durchschnittlich 15 Prozent auf Rang 3. Rang 4 belegten mit rund 13 Prozent die Ambulanzen und Rang 5 mit 12 Prozent der Pflegedienst.

 

Das Fazit:

Alle Befragungsschwerpunkte zeigen deutlich die Herausforderungen, denen sich die Krankenhäuser, aber auch die Gesundheitspolitik insgesamt, stellen müssen – und zwar nicht erst übermorgen. „Angesichts der aktuellen Rahmenbedingungen können noch so ausgefeilte und intelligente Maßnahmen des Managements nicht zu akzeptablen Ergebnissen führen. Dies gilt sowohl für die Wirtschaftlichkeit, wie auch für die Qualität. Von daher fragen wir als Krankenhausmanager die Politik auf Bundes- und Landesebene: Was ist Ihr Plan für unsere Branche?“ so Dr. Josef Düllings.

Der VKD habe in seinem „Zukunftskonzept Deutsches Krankenhaus“ den Reformbedarf aufgezeigt und konkrete Vorschläge genannt, wie in der neuen Legislaturperiode aus Sicht des VKD die Herausforderungen prioritär angegangen werden können. Der VKD ist dazu gesprächsbereit. Und er ist bereit, sein praktisches Know-how einzubringen.

 

Hintergrund

Die VKD-Umfrage wurde von Juli bis August 2017 wie in den Vorjahren als Online-Befragung der Mitglieder durchgeführt. Angeschrieben wurden über 1.800 Mitglieder, überwiegend Vorstände, Geschäftsführer, Krankenhausdirektoren und Verwaltungsleiter. Auswertbare Antworten gingen für 328 Kliniken ein. Die Rücklaufquote lag bei etwa 18 Prozent. Für wesentliche Erhebungsmerkmale können somit verlässliche Aussagen getroffen werden. Aufgrund der Rückläufe sind diese Aussagen jedoch nur für Allgemeinkrankenhäuser einschließlich Universitätsklinika sowie für Fachkrankenhäuser möglich. Auf eine detaillierte Auswertung der Psychiatrischen Krankenhäuser und Rehakliniken musste aufgrund des zu geringen Rücklaufs verzichtet werden. Aggregierte Kennziffern sind jedoch insgesamt je Einrichtungsart darstellbar.

 

Quelle: VKD