Über die Hälfte der Krankenhäuser in Niedersachsen langfristig in der Existenz bedroht

Hannover. Über die Hälfte der niedersächsischen Krankenhäuser wird voraussichtlich auch 2019 in der Existenz bedroht sein.

Foto: Fotolia - sborisov


Das ist die Folgerung aus einer Studie der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft (NKG). Diese sieht Krankenkassen und Land Niedersachsen deshalb in der Pflicht zu einem sofortigen Handeln. Der Druck ist auch deshalb groß, da Niedersachsen im Vergleich zum Bundesdurchschnitt besonders schlecht dasteht.
 
Wenn sich nicht grundlegend etwas ändere, werde es 2019 keinen Lichtblick für über 50 Prozent der niedersächsischen Krankenhäuser geben, erläutert Helge Engelke, Verbandsdirektor der NKG. Schon für das zurückliegende Jahr gaben die Krankenhäuser laut Studie an, von weiteren Verschlechterungen auszugehen. „Bei über zwei Dritteln der Krankenhäuser ist demnach kein positives Ergebnis zu erwarten.“ Die Studie macht deutlich, dass weiterhin dringender Handlungsbedarf seitens der Politik und der Krankenkassen besteht.
 
Die jährliche Studie zur wirtschaftlichen Situation der Krankenhäuser in Niedersachsen ermöglicht aufgrund ihrer hohen Teilnahmequote ein umfassendes Bild der Situation der Kliniken. Sie zeigt, dass die geringfügige Verbesserung der Jahresergebnisse 2016 nicht von Dauer war. Die in 2016 noch erkennbare leichte Verbesserung der wirtschaftlichen Situation hat sich nicht fortgesetzt. „2017 konnten lediglich 46,8 Prozent der Krankenhäuser in Niedersachsen ein positives Jahresergebnis erzielen“, so Dr. Hans-Heinrich Aldag, Vorsitzender der NKG: „Die Erwartungen für 2018 verschlechtern sich noch einmal deutlich. Hier liegt der Anteil der erwarteten positiven Jahresergebnisse nur noch bei lediglich 32,8 Prozent.“ Diese Zahlen zeigen, dass sich die Situation der Krankenhäuser in Niedersachsen im Vergleich zur kürzlich veröffentlichten bundesweiten Auswertung noch wesentlich schlechter darstellt.
 
Die Zahl der niedersächsischen Krankenhäuser, die schwarze Zahlen schreiben, ist 2017 um 3,9 Prozentpunkte auf 46,8 Prozent zurückgegangen. Demgegenüber stieg der Anteil der Krankenhäuser mit einem negativen Jahresergebnis 2017 auf 34,7 Prozent an. Dies ist eine Steigerung um 16,1 Prozent.
 
„Besonders alarmierend ist, dass die Krankenhäuser mit einer weiteren Verschlechterung der Jahresergebnisse rechnen“, erläutert Helge Engelke, Verbandsdirektor der NKG: „Gestützt auf die Ergebnisse der ersten beiden Quartale rechnen über zwei Drittel der Krankenhäuser für 2018 nicht mit einem positiven Ergebnis.“ Die Studie zeige deutlich, dass weiterhin dringender Handlungsbedarf seitens der Politik und der Krankenkassen besteht.
 
Auch der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen stellt die Krankenhäuser in Niedersachsen vor erhebliche Probleme. Fast alle Krankenhäuser (97,3 Prozent) gaben an, dass es schwierig beziehungsweise sehr schwierig ist, offene Stellen im ärztlichen Dienst zu besetzen. Auch für den Pflegedienst meldeten 93,7 Prozent der Krankenhäuser entsprechende Probleme. „Dennoch kündigten fast 50 Prozent der Krankenhäuser für den ärztlichen Dienst beziehungsweise rund 70 Prozent für den Pflegedienst an, in den kommenden drei Jahren die Anzahl der Vollkräfte steigern zu wollen“, beschreibt Dr. Hans-Heinrich Aldag die Ergebnisse der Studie. Viele Häuser müssen dazu ergänzend auf teure Honorarkräfte zurückgreifen, rund 35,9 Prozent im ärztlichen Dienst und rund 39,1 Prozent in der Pflege. „Der Fachkräftemangel ist massiv in den niedersächsischen Krankenhäusern angekommen“, führt der Vorsitzende der NKG weiter aus.
 
Rund 68,9 Prozent der Krankenhäuser in Niedersachsen gaben an, dass der Fachkräftemangel die größte Herausforderung in den nächsten drei Jahren sei, gefolgt vom Kosten- und Effizienzdruck (12,3 Prozent) beziehungsweise dem Investitionsbedarf (10,4 Prozent). Auch die Menge der durch die Krankenkassen angestoßenen MDK-Anfragen und die Digitalisierung werden als große Herausforderungen benannt.
 
Die niedersächsischen Krankenhäuser brauchen Unterstützung. „Die Betriebskosten und die Investitionskosten müssen endlich ausreichend gedeckt werden können“, fordert Helge Engelke. Die notwendigen Mittel für eine faire Finanzierung der Krankenhäuser sind sowohl bei den Krankenkassen als auch beim Land vorhanden. Die Überschüsse der Krankenkassen befinden sich auf einem Höchststand und auch das Land verfügt auf Grund von hohen Steuereinnahmen über die notwendigen Mittel. „Die Krankenkassen können mit dem Landesbasisfallwert 2019 ein deutliches Zeichen setzen und die im Vergleich zu den anderen Bundesländern schlechtere Situation durch eine Angleichung wenigstens an den Bundesdurchschnitt verbessern. Das Sparen auf dem Rücken der in den Krankenhäusern beschäftigten Menschen muss beendet werden“, appelliert Helge Engelke.

Zur Studie gelangen Sie hier

Quelle: Niedersächsische Krankenhausgesellschaft (NKG)