U wie Übernahmefieber

Dass die Gesundheitswirtschaft eine der größten und attraktivsten Wirtschaftsbranchen Deutschlands ist, ist längst bei in- und mittlerweile auch bei ausländischen Investoren bekannt. Seit Jahren prägen kapitalstarke Anleger, unter anderem auch Private-Equity-Gesellschaften, die deutsche Klinik- und Pflegeheimlandschaft.


In den vergangenen Jahren stieg die Zahl der privat finanzierten Übernahmen deutlich: Allein im Jahr 2017 gab es 43 Übernahmen von Gesundheitseinrichtungen in Deutschland. Damit hat sich die Anzahl der Übernahmen von Unternehmen in der Gesundheitswirtschaft in den letzten zehn Jahren vervierfacht. Somit fließt aktuell mehr privates Kapital in den Gesundheitsmarkt als je zuvor.

Vorgehen bei Übernahmen

Immer öfter investieren große Fonds- oder Private-Equity-Gesellschaften in deutsche Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen. Unter Private-Equity-Investitionen versteht man dabei Kapitalbeteiligungen an nicht börsennotierten Unternehmen. Meistens treten diese Unternehmen in Form von großen, internationalen Gesellschaften auf. Grundsätzlich ist das Ziel von Private-Equity-Gesellschaften in ein Unternehmen – oft mit einer Minderheitsbeteiligung – zu investieren, es umzustrukturieren und somit dessen Wert zu steigern. Letztendlich mit dem Ziel, die Beteiligung wert- und gewinnbringend weiterzuverkaufen.

Investments am deutschen Gesundheitsmarkt lukrativ

Speziell der Gesundheitssektor ist für finanzstarke Investmentgesellschaften interessant. Es finden Übernahmen statt, um Gruppen mit überregionaler Marktpräsenz zu formen. Durch eine Zentralisierung und Standardisierung von nicht patientennahen Funktionen, wie Einkauf, Reinigung oder Verpflegung, werden dann Kostenvorteile realisiert. Die Gründe für die steigenden Investitionen in die Branche sind vielfältig. Zum einen ist die Healthcare-Branche traditionell nur in geringem Maße von der Konjunktur abhängig, zum anderen liefert sie seit Jahren stabile Cashflows. Und auch die Zukunft sieht aus Sicht der Anlegergesellschaften positiv aus: Der demografische Wandel, der anhaltende Kostendruck, die weiterhin starke Fragmentierung in Teilen der Branche und die schnell voranschreitende Digitalisierung werden das deutsche Gesundheitswesen die nächsten Jahre über dominieren, so dass zu Recht von einem Übernahmefieber gesprochen werden kann. Beispiele für größere Übernahmen im deutschen Gesundheitswesen finden sich zuhauf. So kaufte die skandinavische Private-Equity-Gesellschaft Nordic Capital zuletzt den Altenheimbetreiber Alloheim für 1,3 Milliarden Dollar. Auch die US-amerikanische Investmentgesellschaft Oaktree oder die aus Frankreich stammende Gesellschaft Chequers Capital investierten auf dem deutschen Gesundheitsmarkt. Oaktree erwarb 2017 die Mehrheit an der Pflegeheimkette Vitanas, Chequers Capital zahlte im selben Jahr rund eine halbe Milliarde Dollar für die Alten- und Pflegeheimsparte der Marseille-Kliniken.

Es bleibt weiterhin spannend zu beobachten, wie sich die Gesundheitswirtschaft durch solche privaten Investitionen verändern wird. Eines jedoch scheint klar: die bisher sehr national ausgerichtete Branche wird sich durch die globalen Investoren stärker internationalisieren.

Autor: Stefan Friedrich, KPMG KG

Quelle: KU Gesundheitsmanagement 11/2018