T wie Trennungsrechnung

Universitätskliniken nehmen im deutschen Gesundheitswesen eine besondere Stellung ein. Einerseits unterstützen sie Universitäten in Lehre & Forschung und fördern somit die medizinische Weiterentwicklung, anderseits leisten sie als Maximal- beziehungsweise Spitzenversorger einen wesentlichen Beitrag zur Gesundheitsversorgung der Bevölkerung.


Im Hinblick auf die Finanzierung von Forschung & Lehre und Krankenversorgung bestehen grundlegende Unterschiede, die im externen Rechnungswesen gesondert darzustellen sind. Dies erfolgt durch die sog. Trennungsrechnung. Diese auch als Spartenrechnung bekannte Aufstellung ist Grundlage dafür,dass keine Quersubventionierungen zwischen Krankenversorgung und Forschung & Lehre entstehen.

Verbot zur Beihilfe und Verfälschung des Wettbewerbs

Hinsichtlich der auf EU- und nationaler Landesebene geltenden gesetzlichen Regelwerke, ist vor allem auf die verpflichtende Anwendung der Trennungsrechnung zu achten. Um durch die öffentliche Subventionierung von Universitätskliniken eine Beeinflussung des Wettbewerbes zu verhindern, hat die Europäische Union durch supranationale Normen eine rechtliche Grundlage geschaffen. Gemäß Art. 101 ff. AEUV müssen staatliche Zuschüsse für Forschung & Lehre in einem Universitätsklinikum klar messbar und somit abgrenzbar zur wirtschaftlichen Tätigkeit sein. Dies findet vor allem den Ursprung in der Tatsache, dass gemäß Beihilferecht Art. 107 AEUV keine Verzerrung des Wettbewerbs durch hoheitliche Förderungen stattfinden darf. Betrachtet man die gesetzlichen Hintergründe der Trennungsrechnung auf nationaler Ebene, ist festgehalten, dass in den Ländern unterschiedliche Regelungen bestehen. Während in manchen Ländern eine direkte Pflicht besteht, tritt die Notwendigkeit der Trennungsrechnung in anderen indirekt durch den gesetzlich geregelten gegenseitigen Erstattungsanspruch zwischen Universitäten und Kliniken ein.

Zweck und Struktur

Um den gesetzlichen Ansprüchen zur Führung einer Trennungsrechnung gerecht zu werden, wird der Zweck zur Nachweisbarkeit der Mittelherkunft und Mittelverwendung als das Wesentlichste betrachtet. Dies wiederum stellt die Grundlage dafür dar, auferlegte Beihilfe- und Subventionierungsregeln einzuhalten. Darüber hinaus kann eine Erleichterung bei der Budgetplanung und Kostenzuordnung geschaffen werden, um so eine entsprechende Allokation der entstehenden Erlöse und Kosten zu ermöglichen. Ferner kann durch die geschaffene Transparenz eine Leistungssteigerung ermöglicht werden, wovon wiederum wirtschaftliche Entscheidungen abhängig gemacht werden können.

Kooperations- versus Integrationsmodell

Die Umsetzung beziehungsweise Anwendung der Trennungsrechnung kann auf unterschiedliche Weise erfolgen. Einerseits durch das Kooperationsmodell und andererseits durch das Integrationsmodell. Beim Kooperationsmodell werden die Universitätskliniken aus den Universitäten herausgelöst und anschließend in Anstalten des öffentlichen Rechts oder in GmbHs geführt. Dadurch kann zum einen eine bessere Trennung der Budgets und zum anderen eine geeignetere Struktur zur unternehmerischen Leitung der Kliniken gewährleistet werden. Hingegen werden beim Integrationsmodell die Krankenversorgung sowie Forschung & Lehre unter einer Organisationsstruktur geführt. Demzufolge bedarf es bei diesem Modell klarer Regelungen für die Abgrenzung und Verteilung von Erlösen und Kosten, die nicht vollständig dem einen oder anderen Bereich zuzuordnen sind. In diesen Fällen kommt der Verteilung über Umlagen und der Genauigkeit der innerbetrieblichen Leistungsverrechnung eine besondere Rolle zu.

Autor: Julia Kaub, KPMG KG

Quelle: KU Gesundheitsmanagement 10/2018