Studie der Universität Bayreuth zur medizinischen Versorgung im ländlichen Raum

Bayreuth. Kleine Krankenhäuser im ländlichen Raum stehen heute vor der Frage, wie sie in Zukunft die Erwartungen an eine hochwertige Versorgung der Patienten erfüllen und zugleich wirtschaftlich überleben können.

Quelle: www.uni-bayreuth.de


Um dem Risiko einer unzureichenden Gesundheitsversorgung auf dem Land frühzeitig vorzubeugen, haben Gesundheitsökonomen der Universität Bayreuth und der Oberender AG eine Strategie entwickelt, welche die Umwandlung ausgewählter Krankenhäuser in neuartige Gesundheitszentren vorsieht. In der veröffentlichten Pressemitteilung Nr. 119/2018 vom 10. Oktober 2018 sehen die Wissenschaftler hierfür im Freistaat Bayern ein vergleichsweise großes Potenzial. Die von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung in Auftrag gegebene Studie wurde heute in Berlin vorgestellt.

Die dort vorgeschlagenen Intersektoralen Gesundheitszentren (IGZ), die es in dieser Form in Deutschland noch nicht gibt, sollen im Kern eine allgemeinärztliche sowie eine internistische Grundversorgung nach fachärztlichen Standards gewährleisten. Entsprechend den jeweiligen regionalen Erfordernissen können sie um zusätzliche fachärztliche Bereiche und weitere Gesundheitseinrichtungen ergänzt werden. Des Weiteren sollen die Zentren – über die ambulante Grundversorgung hinaus – eine kleine Bettenabteilung für Patienten anbieten, die einer kurzzeitigen Überwachung bedürfen, bevor sie nach Hause entlassen werden. Im Unterschied zu traditionellen Krankenhäusern enthalten die IGZ im Basismodell aber keine Operationssäle und auch keine Intensivmedizin. Patienten aus dem ländlichen Raum, die medizinische Dienstleistungen in diesen Bereichen benötigen, sollen auch künftig gleich in die nächstgelegene geeignete Klinik überwiesen werden. Diese hat dann auch die notwendige Größe, um diese Leistungen in der entsprechenden Qualität anzubieten. Insgesamt, so die Studie, werden die IGZ die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum nachhaltig stärken können.

„Hohe medizinische Qualität und wirtschaftliche Effizienz sind in den Intersektoralen Gesundheitszentren dadurch verknüpft, dass sie einerseits keine Hightech-Geräte-Medizin vorhalten, die sie kaum optimal einsetzen können und die auch nicht dem Bedarf der lokalen Bevölkerung entsprechen. Andererseits können sie die von der Bevölkerung nachgefragte Grundversorgung auf höchstem Niveau erbringen. Dabei stehen sie mit Kliniken sowie anderen niedergelassenen Ärzten und Pflegediensten im Umfeld der Patienten im engen Kontakt. Insofern fungieren die IGZ als wichtige Knotenpunkte in einem ausbalancierten Netzwerk von Gesundheitsleistungen im ländlichen Raum“, erklärt Prof. Dr. Andreas Schmid, Professor für Gesundheitsmanagement an der Universität Bayreuth. Er hat die Forschungsarbeiten, die an der heute vorgestellten Studie beteiligt waren, koordiniert.

Wie die Studie betont, werden attraktive Arbeitsbedingungen in den IGZ dazu beitragen, hochqualifiziertes Personal für den Gesundheitssektor in ländlichen Regionen zu gewinnen. Pflegekräfte können sich stärker den einzelnen Patienten zuwenden und sind geringeren Belastungen ausgesetzt als in einem Krankenhaus. Für junge Ärzte wiederum, die sich im ländlichen Raum niederlassen wollen, ist die Tätigkeit im IGZ mit geringeren wirtschaftlichen Risiken verbunden als die Gründung oder Übernahme einer einzelnen Praxis. 

Die Studie identifiziert insgesamt 190, bei stärkerer Eingrenzung 75 Standorte in Deutschland, die unter wirtschaftlichen, geographischen und medizinischen Kriterien für die Errichtung von Intersektoralen Gesundheitszentren infrage kommen. Die meisten von ihnen (mehr als 20) befinden sich im Freistaat Bayern, gefolgt von Baden-Württemberg und Niedersachsen. 

Besonderen Handlungsbedarf sehen die Bayreuther Gesundheitsökonomen ebenso wie die Kassenärztliche Bundesvereinigung auf dem Gebiet der Vergütungssysteme. Was die staatliche und kommunale Förderung betrifft, werden klare Richtlinien und schnelle Entscheidungen zur Rückzahlung von Fördermitteln angemahnt. Aber auch im Bereich der Telemedizin sollten die vorhandenen technischen Potenziale stärker für die regionale Vernetzung medizinischer Dienstleistungen genutzt werden können.

Quelle: www.uni-bayreuth.de