Standpunkt: Warum einhundert gute Vorsätze besser sind als einer

Auch auf die Gefahr hin, dass dies der zehnte Artikel zum Thema „gute Vorsätze“ ist, den Sie lesen, möchte ich Sie genau damit behelligen.

Karikatur: Christine Ball


Denn schließlich ist es genau das, was die guten Vorsätze ausmacht: Wir kommen nicht an ihnen vorbei. Wie in jedem Jahr davor, blicken wir zum Jahreswechsel – wenn vielleicht auch nur für einen kurzen Moment – zurück und nach vorne, ziehen ein Resümee und fragen uns: Was war gut, was war schlecht? Sollte ich etwas ändern oder alles so lassen, wie es ist? Und dann kommen wir auf die eine oder andere Idee, denn schließlich gibt es immer irgendwo ein Optimierungspotenzial.

30 bis 40 Prozent der Deutschen nehmen sich jedes Jahr vor, etwas zu ändern. Doch zwei Drittel halten ihre Vorsätze nicht mal bis Ende Januar durch. Das ist schon ziemlich inkonsequent. Doch warum ist das so und kann man dadurch etwas Grundsätzliches über Motivation lernen?

Ein zentrales Dilemma der guten Vorsätze ist, wir wollen einfach zu viel und dann auch noch sofort. Wie die Absichten umgesetzt werden, ist zu wenig durchdacht. Die ersten Versuche misslingen und man denkt sich – ach, gebe ich mal lieber auf. Dabei ist es ganz simpel: Kleine Schritte führen zum Erfolg.

Nehmen wir einmal das Beispiel der Digitalisierung. Der gute Vorsatz lautet: Die Gesundheitswirtschaft muss digitaler werden. Sie stellen sich also der Herausforderung und starten ein (Vorzeige-)Projekt. Nach ein paar Wochen tauchen die ersten Schwierigkeiten auf, es gibt Probleme mit der Vernetzung, die Mitarbeiter ziehen nicht so richtig mit und das Budget wird knapp. Keine Erfolgserlebnisse, keine Motivation, das Projekt scheitert. Geht man hingegen den Weg der kleinen Schritte, sind diese meist besser durchdacht. Denn dann beginnen wir zu überlegen, wo sich die Stellschrauben befinden, wo es genau hakt und welche kleinen Veränderungen auf lange Sicht zum großen Wandel führen.

Ein weiterer Trick, um gute Vorsätze besser umzusetzen, ist es, diese anderen kundzutun. Denn das setzt natürlich unter Zugzwang. Wieder auf das Beispiel der Digitalisierung übertragen, bedeutet das, den IT-Leiter nicht allein im stillen Kämmerchen vor sich hin tüfteln zu lassen und zu hoffen, dass dies zu einer genialen Lösung führt, die dann auch von allen Mitarbeitern als gut befunden wird. Vielmehr gilt es, den guten Vorsatz in das gesamt Unternehmen hinein zu tragen. Denn wer, wenn nicht die Mitarbeiter wissen, wo Optimierungspotenziale schlummern. In interdisziplinären Projektgruppen kann so gemeinsam an der Umsetzung des Vorsatzes gearbeitet werden. Und schließlich sollte dieser gemeinsame Wille zum Wandel auch nach außen kommuniziert werden.

Nehmen Sie sich also ruhig etwas vor für das neue Jahr. Erwarten Sie jedoch nicht, dass von heute auf morgen alles anders ist. Denn: Besser 100 Sachen um ein Prozent ändern als eine Sache um 100 Prozent.

Autorin: Anna Zarling, Fachredakteurin

Quelle: KU Gesundheitsmanagement 1/2019