Rechtskolumne: Behandlungsfehler wegen Operationswerkzeug im Kniegelenk

In einem Arzthaftungsfall, welcher dem 5. Zivilsenat des OLG Oldenburg vorlag, bekam der klagende Patient 20.000 Euro Schmerzensgeld zugesprochen. Hintergrund des Falles war es, dass sich bei einer Knie-OP die Metallspitze des verwendeten Operationswerkzeuges (Trokar) löste und unerkannt im Gelenk verblieb.

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Der Behandler stellte nach dem Eingriff das Fehlen des Instrumententeils fest, konnte dies in den Operationsräumen nicht finden und notierte diesen Verlust in der Patientenakte. Bei postoperativen Kontrollen des Patienten versäumte es der Behandler weitere Nachforschungen zu veranlassen. Der Senat urteilte, dass nicht jedes Vergessen von Werkzeug im Operationsgebiet ein Behandlungsfehler sei. Vorliegend ist es entgegen des ärztlichen Standards behandlungsfehlerhaft, dass der Arzt dem Verdacht nicht nachging.
Erst nachdem sich der Patient gut einen Monat später wegen extremer Schmerzen im Knie wiedervorgestellt hatte, veranlasste der Behandler eine Röntgenuntersuchung, die dann den Befund erbrachte und das Entfernen des Fremdkörpers erfolgen konnte. Der Patient erlitt einen Dauerschaden, welcher ihn bei sportlichen Aktivitäten und im Alltag bei langem Stehen und Gehen beeinträchtigt.

OLG Oldenburg, Urteil vom 24.10.2018 - 5 U 102/18

Praxistipp: Für das Gericht war das konkrete Verhalten des Arztes maßgeblich für die Schmerzensgeldbemessung. Er wollte verhindern, dass die „OP-Panne“ im Fach- und Patientenkreis bekannt wird. Wegen der zahlreichen Operationen an dem OP-Tag kamen viele Patienten potenziell als Geschädigte in Betracht. Der Arzt verzichtete jedoch auf die gebotenen Nachkontrollen. Entsprechend setzte das Gericht das Schmerzensgeld des Patienten hoch an, um ihm aufgrund dieses Fehlverhaltens Genugtuung zu verschaffen.

Kontakt zum Autor: Dr. Tobias Weimer, M.A, Fachanwalt für Medizinrecht, c/o WEIMER I BORK – Kanzlei für Medizin-, Arbeits- & Strafrecht, Frielinghausstr. 8, 44803 Bochum; www.kanzlei-weimer-bork.de; weimerNO SPAM SPAN!@kanzlei-weimer-bork.de