Hilfestellungen und Anregungen rund um das Thema Demenz

Rummelsberg. Unter dem Motto „Dem Vergessen auf der Spur“ beteiligte sich das Krankenhaus Rummelsberg an der bundesweiten „Woche der Demenz“.

Referenten um Ute Jahnel © Sana Kliniken


Ziel der Pflegedirektion war es, Menschen für das Thema zu sensibilisieren und aufzuklären. Dabei wurden in Vorträgen am Weltalzheimertag Möglichkeiten aufgezeigt, wie Angehörige einen Zugang zu demenziell veränderten Menschen finden können.

 

Mit zunehmendem Alter lässt das Gedächtnis nach. Viele Dinge muss man sich aufschreiben, um sie nicht zu vergessen. Aber sind die vergessene Einkaufsliste oder der verlegte Haustürschlüssel bereits Anzeichen einer beginnenden Demenz? „Nein – nicht jede Vergesslichkeit ist Ausdruck einer Demenz“, weiß Ute Jahnel. Die stellvertretende Pflegedirektorin am Krankenhaus Rummelsberg ergänzt: „Mit zunehmendem Alter lässt die Leistungsfähigkeit des Körpers einfach nach. Davon ist natürlich auch das Gehirn betroffen. Bei einer Demenz geht es um den krankheitsbedingten Abbau von Gehirnzellen.“ Wie man speziell auf demenziell erkrankte Patienten eingeht, welche Hilfestellungen es gibt und welchen Weg das Rummelsberger Krankenhaus in dieser Sache eingeschlagen hat, konnten Interessierte in zahlreichen Vorträgen im Rahmen des Weltalzheimertages erfahren.

 

„Nur mit Bettseiten sorgen Sie nicht für mehr Sicherheit“

Pflegewissenschaftler Christian Köbke referierte beispielsweise über das Thema „Wenn Angst fesselt“. Dabei ging er auf die Thematik ein, dass die Pflegekräfte in Rummelsberg freiheitsentziehende Maßnahmen wie Bettseiten und Gurte vermeiden und der sogenannte Werdenfelser Weg am Krankenhaus Rummelsberg, als erste Klinik in Deutschland, Beachtung findet. „Oftmals möchten die Angehörigen mit Schutzmaßnahmen für mehr Sicherheit sorgen. Das ist ein Trugschluss. Denn nur mit Bettseiten, sorge ich nicht für mehr Sicherheit. Ganz im Gegenteil: Die Fallhöhe aus dem Bett und das Verletzungsrisiko nehmen dadurch zu“, so Köbke in seinem Vortrag. Freiheitsentziehende Maßnahmen würden schon beim Rollstuhl beginnen, wenn die Feststellbremsen arretiert werden und der Patient nicht selber in der Lage ist, diese zu lösen.

 

Respektvolle Haltung wird gelebt

Beifall ernteten auch die anderen Referenten. Astrid Hager, Gesundheits- und Krankenpflegerin sowie stellvertretende Stationsleitung, informierte über das Thema „Bitte bringen Sie mich zurück auf Station“. Dabei wurde deutlich, dass eine respektvolle Haltung im Haus gelebt wird und Betroffene dort abgeholt werden, wo sie gerade stehen. „Es ist wichtig, demenziell erkrankte Patienten als Person zu schätzen und einen Zugang zu ihnen zu finden, der nicht mehr über die Kognition möglich ist“, so Astrid Hager. Zudem wurde deutlich, dass das Thema Demenz vor Ort bereits sehr viel Beachtung findet. Zahlreiche Pflegekräfte wurden geschult und geben ihr Wissen an die anderen Mitarbeiter weiter. „Es ist toll zu sehen, was Sie auf diesem Gebiet schon unternehmen“, lobte eine Zuhörerin. Brigitte Bakalov stellte gemeinsam mit einer betroffenen Angehörigen die Angebote der Kontakt- und Informationsstelle der Selbsthilfegruppen im Nürnberger Land vor. Die emotionale Belastung wurde dabei sowohl bei der Referierenden als auch bei den Teilnehmern deutlich spürbar. Renate Heinrich, Diplom Psychologin am Krankenhaus, präsentierte Möglichkeiten der Unterstützung und stellte auch die Kommunikation mit Demenz-Patienten in den Vordergrund. Neben langsamer, deutlicher Sprache sollten Warum-Fragen vermieden und beispielsweise die Gesprächsinformation am Ende nochmal klar zusammengefasst werden. Abschließend klärte Karin Kaisinger über die neuen Pflegegrade auf und skizzierte die Leistungen der Pflegekasse bei Pflegebedürftigkeit.

 

Veranstaltung auch im nächsten Jahr geplant

Ute Jahnel, die Initiatorin der Aktion am Krankenhaus Rummelsberg, zog ein positives Fazit: „Mit den verschiedenen Vorträgen haben wir möglichst viele Bereiche für Angehörige, die sich um einen demenziell erkrankten Patienten kümmern, abgedeckt. Die Rückmeldung der Teilnehmer hat uns gezeigt, dass dies gut gelungen ist. Aus diesem Grund werden wir auch nächstes Jahr wieder in diesem Rahmen informieren.“ Zahlreiche Teilnehmer betonten auch, dass die Herausforderung, einen Angehörigen mit kognitiven Beeinträchtigungen zu pflegen, bis zur Erschöpfung führen kann. „In dieser Situation ist es wichtig, mit den eigenen Kräften gut umzugehen und sich – frei von Schuldgefühlen und schlechtem Gewissen – Unterstützung zu holen“, bekräftigte Ute Jahnel.

 

Zahl der Erkrankten steigt

Die Zahl der Menschen, die an Demenz erkranken, nimmt nach wie vor zu. Allein in Deutschland leiden etwa 1,5 Millionen Betroffene daran. Pro Jahr kommen rund 250.000 Neuerkrankungen hinzu. Experten gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2025 etwa 2,5 Millionen Menschen an Demenz leiden. Das Krankenhaus Rummelsberg stellt sich dieser Herausforderung, hat Pflegekräfte speziell dafür geschult und informiert regelmäßig über das Thema.

 

 

Quelle: www.sana.de