Generalistik – Chance für die wirkungsvolle Modernisierung der Pflegeberufe?


Wiesloch. Mit dem Kabinettbeschluss Anfang des Jahres wurde die Reform der Pflegeberufe auf den Weg gebracht. Diese sieht eine Zusammenführung der aktuell dreigegliederten Pflegeausbildung zum einheitlichen Berufsbild „Pflegefachfrau/-mann“ vor – für die Bildungszentrum Gesundheit Rhein-Neckar GmbH (BZG) in Wiesloch der Anlass, die generalistische Pflegeausbildung bei ihrem sechsten Expertengespräch am 24. Juni 2016 aufzugreifen.

Nach einer Expertenanhörung Ende Mai wurde die Diskussion um die Reform neu belebt. BZG-Geschäftsführer Walter Reiß: „Die widersprüchlichen Informationen rund um die Generalistik sind irritierend. Wir hoffen, mit dem Expertengespräch unseren Beitrag für eine zielführende Auseinandersetzung mit der Reform zu leisten.“ Vor der Herausforderung einer Modernisierung des Pflegeberufs stünden nun auch Pflegefachschulen, wie die gemeinsam von ihm und Schulleiterin Andrea Senn-Lohr geführte BZG. Senn-Lohr ist eine klare Befürworterin der Reform: „Generalistik stellt die basalen Kompetenzen für die berufliche Ausübung pflegerischer Arbeit sicher.“

Neue Wege statt Abschaffung der Kinderkrankenpflege und der Altenpflege – das bedeutet die generalistische Pflegeausbildung für Andreas Westerfellhaus, Präsident des Deutschen Pflegerates. Westerfellhaus kann auch alle beruhigen, die nach der Expertenanhörung und den damit verbundenen Diskussionen ein Scheitern der Reformbemühungen befürchten. Er hoffe und gehe davon aus, dass die Reform weiter planmäßig das Gesetzgebungsverfahren durchlaufe. Westerfellhaus stellt allerdings klar: „Wenn die Reform jetzt nicht kommt, dann passiert auch in den nächsten Jahren nichts!“

Längst nicht mehr nur als Theorie, sondern als im Alltag angekommen ordneten Christine Vogler, Schulleiterin der Pflegeschule Wannsee e.V., und Heike Haase, Pflegerische Geschäftsleiterin des Krankenhauses Bethel Berlin, das Thema ein. Seit 2009 bilden die Kooperationspartner regulär Generalisten aus. Bislang hätten sie ausgesprochen positive Rückmeldungen über ihre Absolventen erreicht. Flexibilität und die Kompetenz, sich rasch in Tätigkeitsbereiche einarbeiten zu können, zeichnen die Generalisten aus. Vogler sprach sich außerdem gegen eine vorgefasste Schwerpunktsetzung aus: „Dies wiederspricht dem generalistischen Grundgedanken!“

Quelle: Bildungszentrum Gesundheit Rhein-Neckar GmbH (BZG)