Gefragt mit…

Simon Pink, 39, Leiter Marketing und Unternehmenskommunikation der Johannesbad Unternehmensgruppe


Welche Ihrer Vorzüge werden verkannt?

Ich kann mich sehr gut in eine Aufgabe vertiefen und manchmal auch regelrecht verbeißen. Das wirkt von außen betrachtet wohl gelegentlich etwas wenig entspannt und humorlos. Dabei drehen sich in diesem Moment einfach alle Gedanken um die eine Sache. Die Herausforderung gibt es dann leider auch umgekehrt beim Humor. Der ist sehr trocken und sarkastisch, das heißt: Ich bin im Grunde ein sehr friedlicher, auf Harmonie bedachter Zeitgenosse, aber niemand glaubt es mir.

Was war Ihre größte Fehlentscheidung und was haben Sie daraus gelernt?

Vermeintliche Fehlentscheidungen kosten in funktionierenden Teams meistens „nur“ Nerven, Zeit oder Geld; das lässt sich in der Regel reparieren. Ich kann mit diesem Wort daher nicht viel anfangen. Wir konzentrieren uns lieber darauf, warum die Entscheidung vielleicht nicht optimal vorbereitet war, welche negativen Einflüsse wir übersehen haben oder warum das Bauchgefühl einmal versagt hat. Meist ist da der Lerneffekt sehr groß, und mit der Erfahrung werden wir alle miteinander effektiver und effizienter.

Welches politische Projekt sollte schnell umgesetzt werden?

Die Handlungsfähigkeit der Politik, der Gremien und Ministerien endlich wiederherzustellen und den gesellschaftlichen Auftrag motiviert und zielgerichtet anzunehmen. Wir sind schlecht beraten, wenn wir Themen wie den Klimaschutz, die Energiewende, unsere Infrastruktur, Mobilität, Bildung, Forschung und Entwicklung oder unsere zukünftige Rolle in Europa aussitzen wollen. Für das Gesundheitswesen eindeutig die Digitalisierung und der sichere Austausch von standardisierten, strukturierten Daten – sektorenübergreifend. Davon können alle Beteiligten nur profitieren. Eine bessere Versorgung für alle Kunden und Patienten, bessere Arbeitsumgebungen für die Kolleginnen und Kollegen, ein erleichterter Zugang für Unternehmen passende Lösungen zu entwickeln und definitiv ein sinnvollerer Einsatz der Ressourcen.

Was ertragen Sie nur mit Humor?

Mir fällt zum Glück kaum eine Situation ein, in der Humor es wirklich schlimmer gemacht hätte. Daher bin ich immer froh, wenn man ihn gemeinsam zelebrieren kann oder, im Fall vom BER, muss. Doch zugegeben, wenn die Dinge sich nicht so schnell entwickeln, wie sie sollten, dann ist der Humorbedarf etwas größer. Und natürlich Familienfeiern.

Wie können Sie am besten Stress abbauen?

Alleine in den Bergen – das hilft sehr viel. Vor Jahren habe ich auch die Bildhauerei für mich entdeckt. Stundenlang konzentriert an einem Stück Holz zu arbeiten, das entspannt mich ungemein. Das Ergebnis nehme ich dann notgedrungen mit Humor. Darüber hinaus habe ich vor rund einem Jahr angefangen, regelmäßig schwimmen zu gehen. Eine Art Hassliebe, weil ich eigentlich ein Läufer bin. Doch gelegentlich gelingt mal ein technisch sauberer Zug. Dadurch zügig und mit wenig Krafteinsatz durchs Wasser zu gleiten, das wirkt auf mich ebenfalls sehr entspannend. Und wenn es mal nicht so klappt, dann reicht eine Stunde im Wasser auch, um dem Stress davon zu planschen.

Quelle: KU Gesundheitsmanagement  02/2019