Gefragt mit...

Philipp Kreßirer, 52, Leitung Kommunikation und Medien, Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München.


Angenommen Sie müssten den Beruf wechseln, was würden Sie tun?

Das sollte dann auch wieder eine für mich sinnhafte Beschäftigung sein. Eine Ausbildung und Tätigkeit im Bereich tiergestützte Therapie. Das könnte ich mir als Biologe, der sehr lange schon im Gesundheitswesen als Journalist und Kommunikationsmanager aktiv ist,  sehr gut vorstellen. In der Biologie habe ich mich vor allem mit heimischen Wildtieren, aber auch mit Primaten in Asien beschäftigt, nämlich mit Gibbons. Bei letzteren ging es um deren molekulare Phylogenie und den vererbten Merkmalen bei den Gesängen der Tiere, die der Paar- bzw. Gruppenbindung und der Revierabgrenzung im asiatischen Regenwald dienen. Tiere und Gesundheit, da würde also beides zusammenkommen.

Welche drei positiven Charaktereigenschaften fehlen Ihnen?

Singen und Musizieren sind bei mir eine echte Katastrophe – daher gibt es für das LMU-Klinikum auch keine Hymne. Zeichnen ist etwas besser, aber für Cartoons reicht es nicht. Andernfalls hätte ich mich sicher längst schon damit beschäftigt und würde Themen viel lieber und häufiger illustrativ kommunizieren als mit Worten. In vielen Fällen wirken Bilder eindrucksvoller und schneller. Man sieht das ja z.B. am Erfolg von Instagram. Aber natürlich braucht es Worte, um ein tieferes Verständnis von etwas zu entwickeln. Die dritte positive Eigenschaft, die mir manchmal fehlt, ist der Mut, auch wirklich jedem Unrecht immer und zu jeder Zeit entgegenzutreten. Oft gelingt es, aber eben nicht immer. 

Gab es einen Menschen in Ihrem Leben, der Sie verändert hat?

Meine beiden Söhne haben mich und mein Leben nachhaltig verändert und machen das auf gewisse Art und Weise noch heute – obwohl sie bereits erwachsen sind. Gewissheiten und Prioritäten verändern sich, man hinterfragt sich und seine Standpunkte und man ist dadurch in der Lage, sich selbst in manchen Belangen zu verändern. Ideologisch hat mich am ehesten Nelson Mandela zum Nachdenken gebracht, dessen Lebensleistung ich bewundere und den ich im Gegensatz zu Mahatma Gandhi auch selbst erleben konnte. Und letztlich haben mich die Schicksale vieler Patientinnen und Patienten beeinflusst, mit denen ich über die Jahre in Kontakt gekommen bin – die relativieren die eigenen Probleme bisweilen erheblich.

Was würde mich an Ihnen überraschen?

Dass ich während meiner Forschung über Gibbons zum Teil den Duett-Gesang einiger Arten nachmachen konnte. Gut, ich habe nicht getestet, ob ich damit in freier Wildbahn als Artgenosse durchgegangen wäre. Aber ich fand mich bisweilen schon beeindruckend. Allerdings muss man ja berücksichtigen, dass Singen – siehe oben – nicht gerade meine Stärke ist. Deshalb habe ich das auch fast immer nur gemacht, wenn ich alleine war. Aber bei der einen oder anderen Party hat das schon für Aufsehen gesorgt. Sie können mich ja mal anrufen, ich denke, die Weißhandgibbons, Hylobates lar, oder den Siamang, Symphalangus syndactylus, müsste ich noch halbwegs hinbekommen. Das Tremolo aber braucht Übung, also bitte nicht zu viel erwarten.

Was ist Ihre Lieblings-App auf dem Smartphone?

WhatsApp, Instagram und demnächst wahrscheinlich eine App, die mir nur mehr eine Stunde täglich erlaubt, mein Smartphone zu nutzen. Ich stelle nämlich fest, dass mich der dauerhafte Zugang zu allen möglichen Kommunikationskanälen zusehends stresst und vielfach sogar belastet. Hier gibt es natürlich einen Interessenskonflikt zwischen beruflichen und persönlichen Notwendigkeiten. Die Kommunikation über die Social-Media-Kanäle bringt uns als Gesellschaft nur begrenzt voran. Insbesondere wegen vieler egozentrischer, extremer oder unwahrer Beiträge und wegen der Aggressivität, mit der in diesen Netzwerken aufeinander losgegangen wird. Das hat mit konstruktivem Diskurs wenig gemein. 

 

Quelle: KU Gesundheitsmanagement 11/2018