Gefragt mit...

Birgit Dilchert, 61, Personalvorstand und Arbeitsdirektorin der Gesundheit Nordhessen Holding AG.


Angenommen Sie müssten den Beruf wechseln, was würden Sie tun?

Zweieinhalb Jahre vor meinem Ausscheiden aus dem Berufsleben stellt sich diese Frage nicht wirklich für mich. Als Kind wollte ich gern Stewardess werden, weil ich neugierig war und die Welt entdecken wollte. Das Interesse an anderen Kulturen habe ich mir bis heute bewahrt. Reisen zu organisieren, Interessierten andere Kulturen nahezubringen, könnte ich mir gut vorstellen. Auch eine Coaching-Tätigkeit, schließlich habe ich in meiner Laufbahn sowohl die Arbeitnehmer- als auch die Arbeitgeberseite intensiv kennengelernt. In meiner beruflichen Entwicklung steht seit jeher der Mensch im Vordergrund, daher kommt auch ehrenamtliches Engagement in Frage. Vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Entwicklung in unserem Land gilt es wieder vermehrt, Gesicht zu zeigen – dafür bieten sich ja vielfältige Möglichkeiten.

Welche drei positiven Charaktereigenschaften fehlen Ihnen?

Pünktlichkeit. Ich schaffe es zwar fast immer pünktlich zu meinen Terminen, aber oft auf den letzten Drücker. Bis ich aus dem Beruf ausscheide, wird es mir bestimmt noch gelingen, rechtzeitig UND entspannt anzukommen …

Sportlicher Ehrgeiz. Ich bewege mich regelmäßig, nehme zum Beispiel seit Jahren als Walkerin für das GNH-Team am Kassel-Marathon teil, aber der richtige „Biss“ zur sportlichen Leistung fehlt mir. Anders im Beruf, wo ich durchaus der „Langstreckentyp“ bin: Mit Ausdauer und langem Atmen habe ich in schwierigen Situationen gute Ergebnisse erzielen können.      

Gelassenheit in allen Lebenslagen würde mir manches leichter machen.  

Gab es einen Menschen in Ihrem Leben, der Sie verändert hat?

Mein Sohn, oder besser die Geburt unseres Sohnes, hat mich sehr verändert. Plötzlich eine neue - und ganz anders als im Beruf geartete - Verantwortung zu haben, meine Leistungsgrenzen zu spüren, war eine zentrale Erfahrung für mich. Zumal das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf damals noch längst nicht so selbstverständlich war wie heute. Mein Vater hat durch seine klare Haltung und sein konsequentes Eintreten für seine Überzeugungen - z.B. Chancengleichheit und soziale Gerechtigkeit - nicht nur meine persönliche, sondern auch meine berufliche Entwicklung beeinflusst. Grundsätzlich beeindrucken mich Menschen, die eine Vision haben und für ihre Überzeugungen einstehen, die glaubwürdig und authentisch sind. Dabei könnte ich viele Namen nennen, beispielsweise die Geschwister Scholl – ich bin auf die Geschwister-Scholl-Schule gegangen - Willy Brandt, Regine Hildebrand, Elisabeth Selbert und Iris Berben. 

Was würde mich an Ihnen überraschen?

Können Sie sich mich mit einem Akkordeon vorstellen? Dass ich als Abwehrspielerin im Handball das Tor mit Leidenschaft verteidigt habe? Oder dass ich bei Demos auf die Straße gehe? So wie vor einigen Jahren in Berlin, als es um eine bessere finanzielle Ausstattung der Krankenhäuser ging. Oder so wie kürzlich mit mehreren hundert Frauen anlässlich des Gerichtsverfahrens gegen zwei Kasseler Frauenärztinnen: Sie informieren auf ihrer Internetseite, dass sie Schwangerschaftsabbrüche vornehmen und sind deshalb nach § 219a angeklagt – aus meiner Sicht ein Skandal im 21. Jahrhundert.

Was ist Ihre Lieblings-App auf dem Smartphone?

Ich nutze das Handy pragmatisch und wähle meine Apps ganz nach Bedarf: Zur Kommunikation mit Familie und Freunden nutze ich WhatsApp, auf Reisen schaue ich in die App der DB, vor Freizeit-Unternehmungen sehe ich nach dem Wetter und zur Informationen über Politik und Weltgeschehen habe ich den „direkten Draht“ zu einigen Medien.

Quelle: KU Gesundheitsmanagement 10/2018