Gefragt mit...

Benedikt Simon, 35, Geschäftsführer (CDO) der MEDIAN Unternehmensgruppe, Berlin


Angenommen Sie müssten den Beruf wechseln, was würden Sie tun?


Meinen Beruf wechseln oder in einer anderen Organisation arbeiten, das kann ich mir gerade nicht vorstellen. Vor wenigen Monaten bin ich erst Chief Development Officer bei MEDIAN geworden. Dort habe ich das unschätzbare Privileg, mit Mitarbeitern in den Kliniken und der Zentrale die Versorgung unserer Patienten mitgestalten zu dürfen und erfahre hierfür von meinen Geschäftsführerkollegen sowie unserem Gesellschafter den notwendigen Rückhalt und Unterstützung. Dies bewältigen wir in einem starken Team und dafür bin ich sehr dankbar. Wenn ich dann auch noch vor Ort in unseren Kliniken sehe, was unsere Mitarbeiter gemeinsam mit unseren Patienten leisten und welche Entwicklungen sie bei uns erreichen, dann erfüllt mich dies mit Demut und auch ein wenig Stolz. Daher könnte ich nicht zufriedener sein und wüsste nicht, in welchen Beruf ich wechseln sollte. Was ich aber spannend finde, wäre in einer Organisation wie Kaiser Permanente zu arbeiten – als vollintegrierter Akteur im Gesundheitswesen. In einer fernen Zukunft könnte ich mir dies vorstellen.


Welche drei positiven Charaktereigenschaften fehlen Ihnen?


Zufriedenheit mit mir selbst und dem Erreichten. Gelassenheit, Herausforderungen auch mal eine Nacht liegen zu lassen. Das Vermögen, zumindest im Urlaub vom Job abzuschalten.


Gab es einen Menschen in Ihrem Leben, der Sie verändert hat?


Es gab für mich nicht den einen Menschen, der mich verändert hat. Ich bin aber davon überzeugt, dass wir von jedem Kontakt, sei es beruflich oder privat, etwas mitnehmen können. Denn jede Begegnung bereichert und verändert einen persönlich ein Stück weit. So waren es bei mir viele verschiedene Menschen, die an ganz spezifischen Punkten in meinem Leben Anstoß zu einer Veränderung gegeben haben. Zuallererst war und ist dies meine wundervolle Familie. Besonderen Einfluss im beruflichen Umfeld haben ganz aktuell sicherlich meine Kollegen in der Geschäftsführung sowie unser ehemaliger COO.


Was würde mich an Ihnen überraschen?


Dass ich bis vor kurzem noch relativ wenig über die Vorgehensweisen in der agilen Softwareentwicklung wusste, obwohl dies im Rahmen der Digitalisierungsthemen nun zu meinen Kernaufgaben gehört. So kannte ich den Begriff „Scrum“ nur aus meiner Zeit beim Rugby, wobei sich die Form der Interaktion von zwei Rugby-Teams beim Scrum nicht vollständig auf die Interaktion von zwei Teams in agilen Projekten übertragen lässt – zumindest nicht bei uns.


Was ist Ihre Lieblings-App auf dem Smartphone?


Die MEDIAN App. Eine App, mit der wir unsere Patienten vor dem Aufenthalt „abholen“ und auf ihrem Weg durch die Reha bis zur Nachversorgung begleiten. Hiermit wollen wir primär die Reha-Erfolge stabilisieren und festigen. Vor diesem Ansatz wurde zum Beispiel in einer unserer Kliniken gemeinsam mit der DRV Bund im Bereich Psychosomatik eine App entwickelt, mit der Patienten Kontakt zu uns aufnehmen können – oder wir zu ihnen –, wenn sie Monate nach einer Reha wieder in eine depressive Episode abgleiten. Dank der App kann dann direkt durch unsere Therapeuten interveniert werden. Das ist für mich ein ganz wichtiger erster Schritt. Noch spannender wäre es aber für mich, wenn wir das Eintreten einer depressiven Episode über eine Kombination von App-Tools, Wearables und Big Data vorhersagen könnten, um hier vorab salutogenetisch intervenieren zu können. Wir stehen hier erst am Anfang von dem, was mobile Anwendungen oder die richtige Datenanalyse im Gesundheitswesen zum Wohl der Patienten leisten können. Ein hochspannendes Feld!

Quelle: KU Gesundheitsmanagement 09/2018