Gefragt mit...

Benjamin Waschow, 40, Leiter Unternehmenskommunikation Universitätsklinikum Freiburg


Angenommen Sie müssten den Beruf wechseln, was würden Sie tun?
Kommunikation ist mein Traumberuf. Und obwohl ich bereits als Kommunikator arbeite, gibt es Berufe, in denen die Kommunikation eine noch zentralere Rolle spielt. Daher könnte ich mir vorstellen als Paartherapeut oder Personal Coach zu arbeiten. Es muss sehr befriedigend sein, dabei mithelfen zu können, dass die Kommunikation zwischen Menschen funktioniert und damit sogar die eine oder andere menschliche Tragödie verhindern zu können. Wir schaffen es, Robotern künstliche Intelligenz einzuhauchen, aber fehlerhafte oder falsch gedeutete Kommunikation zwischen zwei Menschen  kann immer noch Kriege auslösen, langjährige Beziehungen zerstören oder den Job zur Hölle machen. Die Wirkmechanismen von Kommunikation sind hoch spannend. Wenn ich nur darüber nachdenke, was eine einzelnes Wort alles beim Gegenüber auslösen kann: Scham, Aggressivität, bedingungslose Hingabe. Wahnsinn! Das finde ich faszinierend und würde mich gerne noch mehr damit auseinandersetzen. 

Welche drei positiven Charaktereigenschaften fehlen Ihnen?
Fehlen? Ich verstehe die Frage nicht… Aber im Ernst: Zuhören, ohne den anderen zu unterbrechen; geduldig bleiben, wenn mein Gegenüber nicht schnell genug mitkommt. Mir fehlen manchmal die nötige Zurückhaltung und der notwendige Ernst. 

Gab es einen Menschen in Ihrem Leben, der Sie verändert hat?
Natürlich gibt es immer wieder Menschen, die Anstöße geben. Aber ganz ehrlich, der Mensch, der mein Leben immer wieder stark verändert hat, bin ich selbst. Nein, das soll jetzt nicht völlig egozentrisch klingen! Aber in Situationen, in denen es weder vor noch zurück geht, ziehe ich mich zurück und gehe mit mir selbst hart ins Gericht, reflektiere mich und nehme Positionen auch gegen mich selbst ein. Auch wenn es schizophren klingt,  führe ich dann – wenn man so will – einen Dialog mit mir selbst. Das geht nicht so nebenbei, sondern nur, wenn man sich wirklich aus dem Alltag zurückzieht und sich mit aller Kraft auf sich selbst fokussiert. Es ist sehr erstaunlich, wie man sich selbst ändern kann, wenn man in der Lage ist, zu seinem Innersten vorzudringen. Das ist nicht immer schön, aber sehr heilsam und ich bin aus diesem Prozess schon extrem verändert hervorgegangen.

Was würde mich an Ihnen überraschen?
Meine unkonventionelle Art. Ich bin der Meinung, dass vorhersehbare Abläufe einfach mal durchbrochen werden müssen. Menschen müssen irritiert werden. Auch in Kommunikationsabteilungen, wo Tagesabläufe ohnehin nie planbar sind, muss man mal etwas „Verrücktes“ machen. Auch als Leiter einer solchen Abteilung sollte man sich nicht zu ernst nehmen und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern das auch zeigen. Zum Beispiel tauche ich hin und wieder in einem Anzug mit Batman-Zeichen im Büro auf. Solche und ähnliche Aktionen durchbrechen die alltägliche Routine und  fördern die Kreativität, die in jeder Kommunikationsabteilung überlebenswichtig ist.

Was ist Ihre Lieblings-App auf dem Smartphone?
WhatsApp um zu kommunizieren und um schnell größere und kleinere organisatorische oder zwischenmenschliche Probleme zu lösen oder erst gar nicht entstehen zu lassen. Und SPIEGEL online ist für mich als Nachrichtenjunkie unverzichtbar. 

Quelle: KU Gesundheitsmanagement 07/2018