Fragen an die Politik - Teil 1: Wie kann dem Fachkräftemangel in der Pflege begegnet werden?

Nur noch knapp zwei Woche bis zur Wahl: Zeit sich noch einmal die gesundheitspolitischen Ansichten der verschiedenen Parteien genauer anzusehen. Finanzierung, Fachkräftemangel und Notfallversorgung – drei wunde Punkte im Gesundheitssystem. Die KU Redaktion hakte bei den Parteien nach.

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Maria Michalk, Sprecherin für Gesundheitspolitik, CDU/CSU-Fraktion

Der Pflegeberuf konkurriert mit vielen anderen Berufen. Deshalb ist die Attraktivität der Pflegeberufe zu erhöhen. Wir wollen mehr Personal durch verpflichtende Personaluntergrenzen in pflegesensitiven Bereichen, eine bessere Bezahlung und Durchlässigkeit in den Pflegeberufen durch gemeinsame Ausbildung. Das Pflegestellen-Förderprogramm und der Pflegezuschlag bringen Entlastung.

Hilde Mattheis, Sprecherin für Gesundheitspolitik, SPD

Viele Pflegekräfte leisten Tag für Tag eine enorme Arbeit für unsere Gesellschaft, die viel stärker anerkannt werden muss. Dabei wünschen sich Pflegekräfte vor allem eine zeitliche Entlastung. Ein erster Schritt wurde mit der Einführung von Pflegepersonaluntergrenzen gegangen. Damit insgesamt die Situation in der Pflege verbessert werden kann, brauchen wir ein zudem ein umfassendes Personalbemessungssystem. Zudem sollte eine Ausbildung angeboten werden, die eine Durchlässigkeit zwischen der Alten-, Kinder- und Krankenpflege ermöglicht und Aufstiegsmöglichkeiten durch ein anschließendes Studium bietet. Zum anderen müssen wir die Arbeitsbedingungen in der Pflege verbessern. Nur so können wir mehr Menschen für den Pflegeberuf gewinnen.

Maria Klein-Schmeink, Sprecherin für Gesundheitspolitik, Bündnis 90 / Die Grünen

Wir wollen im Pflegebereich verbindliche Personalbemessungsregelungen einführen. Zudem wollen wir mittel- bis langfristig ein transparentes und leistungsbezogenes System der Pflegefinanzierung schaffen, damit das Geld, das für die Pflege im Krankenhaus gedacht ist, auch dort ankommt. Als Sofortmaßnahme ist ein Pflegestellenprogramm nötig, das sich mindestens an den Größenordnungen der 1997 abgeschafften Pflegepersonalregelung (PPR) orientiert.

Harald Weinberg, Sprecher für Krankenhauspolitik und Gesundheitsökonomie, Die Linke
Da gibt es nur einen Weg: Die Ausbildung und der Beruf müssen attraktiver werden. Das bedeutet höhere Vergütungen, bessere Arbeitsbedingungen, vor allem durch gesetzliche Mindestpersonalbemessung, bundesweiter Wegfall des Schulgeldes, eine flexiblere Ausbildung sowie Aufstiegsmöglichkeiten.


Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann, stellv. Bundesvorsitzende, FDP

Zuallererst muss die Arbeitszeit angepasst und vor allen Dingen familienfreundlich gestaltet werden, damit das Pflegepersonal in seinem sehr anspruchsvollen Beruf bessere Rahmenbedingungen bekommt. Fortbildung auf höchstem Niveau macht die Pflege zudem zukunftsfit. Ehemaliges Pflegepersonal, das aus diesem Beruf aus familiären o.ä. Gründen ausgeschieden ist, sollte für einen Wiedereinstieg geworben und konsequent gefördert werden. Angesichts des demographischen Faktors wird es allerdings auch erforderlich sein, Personal gezielt durch Zuwanderung nach Deutschland zu holen.