Fachkräftemangel erzwingt frühere Schließung des Krankenhauses Hersbruck

Hersbruck. Die Krankenhäuser Nürnberg Land GmbH sieht sich gezwungen, die ursprünglich für 2022 geplante Schließung des Krankenhaus Hersbruck auf den 31. Mai 2019 vorzuziehen.

Foto: stadtrat - Fotolia


Der Ärztemangel hat das deutsche Gesundheitswesen voll im Griff, das betrifft vor allem den ländlichen Raum. Jüngst schlugen die Bundesärztekammer und die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie Alarm. Weil die Belegarztpraxen im Krankenhaus Hersbruck aufgrund des Mangels an Assistenzärzten die stationäre Versorgung der Patienten nicht mehr sicherstellen können, beenden sie ihre belegärztliche Tätigkeit im Krankenhaus Hersbruck zum 31. Mai dieses Jahres.

Die stationäre Patientenversorgung im Landkreis Nürnberger Land übernehmen die Krankenhäuser in Lauf und Altdorf. Sie ist durch stetige Investitionen in diese Häuser langfristig gesichert.

Der Fachkräftemangel trifft die kleinen Krankenhäuser besonders hart und zuerst. Zuletzt warnte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, Matthias Anthuber, dass es „gerade auf dem Land längst nicht nur an Hausärzten, sondern auch an Chirurgen“ fehle. Ende März mahnte der Präsident der Bundesärztekammer Frank Ulrich Montgomery, dass der zu langsame Zuwachs an Ärzten in Deutschland „zu erheblichen Engpässen bei der gesundheitlichen Versorgung führen“ werde, wenn „die Politik nicht endlich gegensteuere“.

Folgen für Belegarztpraxen in Hersbruck

Den Nachwuchsmangel im ärztlichen Bereich haben nun die fünf Belegärzte im Krankenhaus Hersbruck deutlich zu spüren bekommen. Angesichts des Mangels an qualifizierten Assistenzärzten können sie die ärztliche Versorgung der Patienten und den stationären Betrieb nicht mehr länger sicherstellen. „Dies konnte zuletzt nur noch durch eigene, nicht mehr länger zumutbare Mehrarbeit zulasten des eigenen Praxisbetriebes geschehen“, erläutern die beiden Belegarztsprecher Dr. Hans Kolb und Dr. Wolfram Gröschel.

Auch die intensiven Bemühungen des Klinikums Nürnberg und der Krankenhäuser Nürnberger Land GmbH, Assistenzärzte für das Krankenhaus in Hersbruck zu gewinnen, um einen regelhaften Stationsbetrieb fortzuführen zu können, blieben ohne Erfolg. Dazu kam, dass auch der Mangel an Pflegekräften in den vergangenen Monaten immer wieder zu Betten- bzw. Stationsschließungen geführt hat.

Da ein Rund-um-die Uhr-Betrieb an sieben Tagen in der Woche für die Belegärzte ohne genügend Assistenzärzte und auch ausreichend Pflegekräfte nicht zu leisten ist, sahen sich die im Krankenhaus Hersbruck arbeitenden Belegärzte gezwungen, ihre belegärztliche Tätigkeit zum 31. Mai 2019 und die bestehenden Verträge mit der Krankenhäuser Nürnberger Land (KNL) GmbH zu beenden.

Vorzeitige Schließung des Krankenhauses

„Da die stationäre Versorgung der Patienten im Krankenhaus Hersbruck auf dem Belegarztmodell beruht, ist unter diesen Bedingungen eine Weiterführung des Krankenhausbetriebs nicht mehr möglich“, betont Dr. Thomas Grüneberg, Geschäftsführer der KNL GmbH. Er sieht sich aufgrund dieser Entwicklung gezwungen, „den Zeitplan zur ursprünglich für das Jahr 2022 vorgesehenen Schließung des Krankenhauses Hersbruck zu ändern“.

Im Februar 2017 hatte die KNL GmbH angekündigt, zur langfristigen Sicherung der wohnortnahen Krankenhausversorgung im Nürnberger Land, bis zum Jahr 2022 die Betten aus dem Krankenhaus Hersbruck ins Krankenhaus Lauf zu verlagern und den Standort in Hersbruck zu schließen. „Durch die Bündelung und die Investitionen in neue Strukturen und in eine fachliche Ausdifferenzierung wird sich ein im Landkreis wohnortnahes, verbessertes und breiteres stationäres Versorgungsangebot etablieren“, betont Prof. Dr. Achim Jockwig, Vorstandsvorsitzender des Klinikums Nürnberg.  Er verweist auf die 30,2 Millionen Euro, die seit 2013 in die Krankenhäuser in Lauf und Altdorf investiert wurden, um die qualitativ hochwertige Krankenhausversorgung im Nürnberg Land zukunftssicher zu machen.

„Wir nehmen unseren Versorgungsauftrag im ländlichen Bereich sehr ernst. Um die Struktur im Krankenhaus Lauf langfristig zu sichern und zukunftsfähig auszubauen, haben wir uns damals dafür entschieden, die Betten des Krankenhaus Hersbruck dorthin zu verlagern“, erinnert Jockwig an die damalige Entscheidung.

Schließung zum 31. Mai 2019 und schnelle Bettenverlagerung

Mit der Kündigung der Belegarztverträge wird der damalige Zeitplan obsolet. „Wir werden bis zum 31. Mai das Krankenhaus Hersbruck schließen“, kündigte Grüneberg an. „Für die Bevölkerung ist eine qualitativ hochwertige Diagnostik und Therapie in den Krankenhäusern in Lauf und Altdorf sichergestellt“, erklärt Grüneberg. Er wolle zudem alle Möglichkeiten ausloten, um die 48 Betten so schnell wie möglich von Hersbruck nach Lauf verlagern zu können.

Angebote an das gut qualifizierte Personal

Alle betroffenen Mitarbeiter im Krankenhaus Hersbruck erhielten bereits ein Angebot, Teil des Teams der Krankenhäuser Nürnberg Land zu bleiben, mit zukünftiger Beschäftigung in Lauf und Altdorf, oder des Klinikums Nürnberg zu werden, welches nun früher umgesetzt würde. Zudem werden entsprechende Fort- und Weiterbildungen angeboten. „Wir setzen weiter auf unser qualifiziertes Personal“, betont Grüneberg.

 

Quelle: www.klinikum-nuernberg.de