EU-Projekt MARIO: Menschliche Roboter für Demenzkranke

Passau. Können Maschinen menschliche Zuwendung ersetzen? Die Deutschen sind da skeptisch. Doch in Großbritannien, Irland und Italien stoßen Tests mit Pflegeroboter MARIO aus dem gleichnamigen EU-Projekt auf positive Resonanz. Die Software für die Roboter kommt aus Passau.

Foto: KOMPAI robotics


Von August 2016 bis August 2017 begleiteten die Roboter Patienten in Irland, Italien und Großbritannien. Die Rückmeldungen seien durchwegs positiv gewesen: „Menschen mit Demenz mögen MARIO. Es bereitet ihnen Freude, mit dem Roboter zu interagieren. Wir hätten erwartet, dass der Roboter auf mehr Skepsis stoßen würde“, so Prof. Dr. Handschuh, Inhaber des Lehrstuhls für Informatik mit Schwerpunkt Digital Libraries and Web Information Systems an der Universität Passau.

Der Roboter MARIO ist in dem gleichnamigen Forschungsprojekt entwickelt worden. Die Abkürzung steht für: „Managing active and healthy aging with use of caring service robots”. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Irland, Frankreich, Großbritannien, Europa und Deutschland sind beteiligt und arbeiten eng mit Pflegefachkräften, Krankenhäusern und Robotikfirmen zusammen. Eine Ethikkommission unter der Leitung der National University of Ireland, Galway, begleitet die Arbeit der Forscherinnen und Forscher.

Dass Roboter als unterstützende Assistenten in der Pflege zum Einsatz kommen, beispielsweise für kräftezehrende Hebetätigkeiten, das können sich einer Umfrage zufolge noch viele Deutsche vorstellen. Schwieriger wird es bei dem Gedanken, dass die Maschinen möglicherweise auch menschliche Zuwendung ersetzen könnten.

Genau das soll MARIO können. Zum Beispiel, indem er nicht müde wird, Fragen zu stellen, wie: „Hast Du heute schon Deine Medizin genommen?“ Oder, indem er auf den Gemütszustand des jeweiligen Patienten oder der Patientin reagiert. „Wenn der Roboter gelernt hat, dass die Patientin möglicherweise jeden Tag morgens weint, weil sie sich an den verstorbenen Mann erinnert, dann kann der Roboter darauf reagieren. Indem er tröstet, indem er ablenkt. Beispielsweise, indem er Bilder von schönen Erlebnissen zeigt“, erklärt Projektmitarbeiter Dr. Adamantios Koumpis.

Im Januar 2018 läuft das Projekt aus, dann sollen die Roboter auf den Markt kommen. Sie sollen erschwinglich sein. Die Wissenschaftler arbeiten aus diesem Grund mit einem etwas älteren Modell, dem Kompai 2, den das französische Unternehmen Robosoft entwickelt hat. Dieses haben sie mit der Software aus Passau aufgerüstet.

Quelle: www.uni-passau.de