Die Krankenhauslandschaft in Bayern muss umstrukturiert werden

München. Die Bayerische Krankenhausgesellschaft schlägt Alarm: 44 Prozent der Krankenhäuser im Freistaat fürchten, in diesem Jahr rote Zahlen zu schreiben, 30 Prozent rechnen mit einer schwarzen Null und lediglich 26 Prozent mit Überschüssen.


Auf der Suche nach den Ursachen für die Misere lohnt es sich einen Blick in den jährlich erscheinen den Krankenhaus Rating Report des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung. Er liefert empirisch abgesicherte Erkenntnisse über den Krankenhaussektor. Darin kommen die Forscher zu zwei Kernaussagen. Erstens, es besteht ein klarer Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Lage und den Krankenhausstrukturen. Und zweitens, die Betriebsgröße einer Klinik (Bettenanzahl) sowie der Spezialisierungsgrad sind die größten Einflussfaktoren auf das wirtschaftliche Ergebnis.

 

Genau diese beiden Problemfelder haben sich in den zurückliegenden Jahren in Bayern hartnäckig verfestigt. Denn der Freistaat hat bundesweit nicht nur die höchste Krankenhausdichte, sondern auch

den größten Anteil kleiner Krankenhäuser mit weniger als 150 Betten. Als langfristig überlebensfähig gelten aber die Krankenhäuser ab 200 Betten.

 

Zu hohe Krankenhausdichte

Die Krankenhausdichte in Bayern liegt bei 246 Krankenhäusern pro 10 Millionen Einwohner. In Sachsen kommen lediglich 179 Krankenhäusern auf 10 Millionen Einwohnern und nennenswerte Klagen über „Unterversorgung“ im stationären Bereich sind nicht bekannt. Auch im Vergleich mit den westlichen Flächenländern fällt die hohe Dichte an stationären Einrichtungen in Bayern auf: Baden-Württemberg (200 Krankenhäuser pro 10 Millionen Einwohner), Nordrhein-Westfalen (195 Krankenhäuser pro 10 Millionen Einwohner) und Hessen (191 Krankenhäuser pro 10 Millionen Einwohner).

Was den Anteil der kleinen Krankenhäuser anbetrifft, kämpfen vor allem Bayern und Baden-Württemberg mit kleinteiligen Strukturen. Mit Anteilen von 57 beziehungsweise 56 Prozent stehen die beiden Südländer hier einsam an der Spitze. Dagegen weisen Nordrhein-Westfalen und Hessen nur Anteile von 25 beziehungsweise 45 Prozent auf.

Die fast unvermeidliche Konsequenz: Der Anteil der defizitären Krankenhäuser liegt im Freistaat mit 36 Prozent, laut RWI Krankenhaus Rating Report 2017, deutlich höher als im Bundesdurchschnitt (30 Prozent).

 

Bessere Zukunftschancen schaffen

Die Krankenhauslandschaft in Bayern muss dringend neu strukturiert werden, um zukunftsfähig zu bleiben. Eine solche grundlegende Reform der Krankenhausstrukturen muss ein besonderes Augenmerk auf die Größe der Betriebseinheiten legen. Weitere Konzentrationen werden mittelfristig unvermeidlich sein. Nicht nur um nicht mehr konkurrenzfähige Kleinstkrankenhäusern vom Markt zu nehmen, sondern vor allem auch, um den verbleibenden Krankenhäusern bessere Chancen im marktwirtschaftlichen Wettstreit um eine bessere Qualität zu eröffnen. Vor allem im Blick auf eine wirtschaftliche und zugleich qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung muss hier dringend gehandelt werden.

 

Quelle: ersatzkasse report. Bayern, Dezember 2017