Auszubildende aus Vietnam: Lösung für den Fachkräftemangel in der Pflege?

Frankfurt. Die Stiftung Hospital zum Heiligen Geist beteiligt sich am Modellvorhaben zur Gewinnung von Arbeitskräften aus Vietnam zur Ausbildung in der Krankenpflege in Deutschland.

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Die Sicherung einer guten Pflegeversorgung ist eine der wichtigsten gesellschaftspolitischen Aufgaben, zu der die Stiftung Hospital zum Heiligen Geist mit ihrer Ausbildungsstätte für Gesundheits- und Kranken- bzw. Kinderkrankenpflege und Krankenpflegehilfe, der Agnes-Karll-Schule, maßgeblich beiträgt. Da der Bedarf mittel- und langfristig jedoch weder durch einheimische Kräfte noch durch Arbeitskräfte aus EU-Mitgliedsstaaten gedeckt werden kann, beteiligt sich die Stiftung am Modellvorhaben, dass die Ausbildung von jungen Menschen aus Vietnam in der Krankenpflege erprobt. Das Projekt wird gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi), durchgeführt von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und unterstützt von der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit (BA).

Im September 2017 landeten 23 Vietnamesen am Frankfurter Flughafen, um im Oktober mit dem neuen Ausbildungsjahrgang an der Agnes-Karll-Schule ihre Ausbildung zu beginnen. Schon ein Jahr zuvor wurden sie in Vietnam ausgesucht. Voraussetzung war eine abgeschlossene Ausbildung im Heimatland – fast alle Bewerber besitzen einen Hochschul- oder Uniabschluss. Nach der Auswahl durchliefen die Auserwählten ein staatlich gefördertes Qualifizierungsprogramm in Kooperation mit dem Goethe-Institut in Hanoi. Diese umfasste einen dreizehnmonatigen Sprachunterricht bis Sprachniveau B2 inklusive einer fachsprachlichen Qualifizierung, interkulturelles Training und Absolvierung eines fachlichen Zusatzmoduls zur Vorbereitung auf das Berufsbild der Pflegefachkraft in Deutschland.

In Deutschland begleiten fachnahe Regionalkoordinatoren und vietnamesisch sprechende Mentoren die Auszubildenden und ihre Praxispartner in Beruf und Theorie. Nach einer einwöchigen Eingewöhnungsphase mit Ausflügen in die Region startete am 2. Oktober der Ausbildungsjahrgang. Die 23 Vietnamesen werden zukünftig gemeinsam mit 64 weiteren Auszubildenden – aufgeteilt auf drei Klassen – die nächsten drei Jahre ausgebildet und auf das Berufsleben vorbereitet.

Vietnam wurde aus verschiedenen Gründen als Partnerland ausgewählt. Mit seiner sehr jungen Bevölkerung verfügt Vietnam über ein entsprechend großes Arbeitspotenzial, sodass die Abwanderung von Fachkräften keine Probleme verursacht. Zudem ist eine Verbindung der beiden Länder historisch gewachsen: Schon zu DDR-Zeiten verbanden die beiden Länder enge diplomatische Beziehungen. Zahlreiche Vietnamesen arbeiteten oder studierten damals im deutschen Osten. Auch heutzutage gelten die in Deutschland lebenden Vietnamesen gesellschaftlich als gut integriert. Dazu kommt eine gute Grundbildung und eine hohe Alphabetisierungsquote von 94 Prozent (2009). Die vietnamesische Regierung unterstützt ausdrücklich die Arbeitsmobilität von Gesundheitsfachkräften und kennt die Vorteile beruflicher Arbeitserfahrung im Ausland wie Know-how-Transfer, Rimessen (Geldüberweisungen von Migranten in ihre Herkunftsländer) etc.

Quelle: www.stiftung-hospital-zum-heiligen-geist.de